Das Internet ist kein Nazi-Regime
25.04.2012 | 43 Kommentare
Lieber Gimma
Ich bin ein anspruchsvoller Musikkonsument, der auf aussergewöhnliche Kombinationen steht. Wie schon mehrfach gebloggt, suche ich vor allem Bands, die für den Genre ungebräuchliche Instrumente einbinden, z.B. Querflöten oder Drehleiern. Auch Spielkonsolen-Synthesizer finde ich super. Mein Geld gebe ich vorwiegend für Filme aus, ich kaufe aber auch ab und zu mal eine CD. Zuletzt habe ich das Project Trio und die Piano Guys unterstützt. Sehr oft höre ich aber einfach nur Webradio – z.B. Digitally Imported, wofür ich einen Premium-Account habe. Ach ja, Metal-Konzerte besuche ich auch hin und wieder.
Mit 8 Jahren habe ich gelernt, Gitarre zu spielen. Gleichzeitig spiele ich Klavier, komponiere manchmal vor mich hin und fasse meine Gefühle in Klänge. Die wenigen ausgereiften Resultate stelle ich auf last.fm. Den Jingle unseres Podcasts parrot.fm habe auch ich komponiert und eingespielt. Du siehst also: Für mich hat Musik einen hohen Stellenwert und mir liegt viel an ihrer Vielfalt. Nachdem das gesagt ist, will ich auf deinen Blogbeitrag antworten, den du folgendermassen abschliesst:
Also, lieber Denis, liebe Piraten. Bitte masst euch nicht an, im Namen der Kulturschaffenden zu argumentieren. Wir sind hier in der Schweiz die durchs Band gefickten. Ganz unschuldig ist keiner von euch an diesem Umstand. Wir sind bei euch und mit euch wenn es um “Freiheit” und “Menschlichkeit” geht, und hey ich liebe meine Computer. [...] Jetzt seid ihr plötzlich am Ende des Hebels und siehe da: jetzt wo ihr die grossen seid, wollt ihr den kleinen nicht mehr helfen, sondern reitet sie schön Nazi mässig immer tiefer in die Scheisse. Ihr seid jetzt der Grosse. Der ganz Grosse. Ihr würdet den Unterschied machen. Und genau ihr verkackt es Breitband und Full-On. Statt Marxisten seid ihr Reichsregenten, think about it… tragt Verantwortung, ihr seid eine oft nicht ganz mündige Gruppe, die Schaden anrichtet am Mensch.
Ich will gar nicht auf die Schuldfrage eingehen. Mir ist wichtig, dass ein konstruktiver Dialog geführt wird. In diesem Beitrag will ich einfach nur darlegen, was meine persönliche Motivation ist, bei dieser Sache mitzureden. Eines vorweg: Mit Nationalsozialismus hat das Internet nichts zu tun. Von den paar zwielichtigen Seiten mal abgesehen.
Auch ich profitiere vom Urheberrecht
Eigentlich kommt mein Zugang zum Urheberrecht über Software. Schon mit 15 habe ich einen IRC-Bot, den SciBot, entwickelt. IRC-Netzwerke hatten damals einen grossen Einfluss auf mich, ich verbrachte viel meiner Zeit in diversen Entwickler-Chats; unter anderem in IRCSystems, wo die UnrealIRCd-Coder abhängten. Ausserdem war ich einer der Betreiber des BurnIRC. Für mich war aus diesen Erfahrungen heraus klar: Software stellt man unter Copyleft-Lizenzen online und man lässt dadurch andere daran teilhaben. Meinen Bot habe ich in der Programmiersprache C geschrieben und unter der GPL (GNU Public License) auf SourceForge veröffentlicht. Bei meinem Arbeitgeber habe ich mich beworben, weil er freie Software einsetzt und somit fördert. Mein Interesse liegt grundsätzlich darin, dass auch freie Lizenzen durchgesetzt werden können. Es liegt mir also fern, das Urheberrecht abschaffen zu wollen.
Filesharing
Du siehst, es geht bei der Urheberrechtsdebatte nicht nur um Musik und Filme. Nun aber trotzdem zurück zur Musik. Auf meinem NAS (Network Attached Storage) ist viel Musik gespeichert. Auch von dir ist etwas dabei. Allerdings muss ich gestehen, dass ich für deine Musik nicht gezahlt habe. Der Grund ist einfach: Ich mag dein Genre nicht so, wollte mir aber trotzdem einen Überblick verschaffen, was so an Hip-Hop/Rap-Musik auf dem Markt ist. Das ging von La Coka Nostra über die Army Of the Pharaohs und Celph Titled bis zu Stress, Bligg und dir. Die Lieder habe ich – wenn es hoch kommt – einmal gehört. Diese Musik ist mir allerdings kein Geld wert – ich bin eben eher der Metal- und Goa-Hörer. Ohne die Möglichkeit des Kopierens hätte ich schlicht darauf verzichtet, mir diesen Überblick zu verschaffen. Versteh mich nicht falsch – ich will deine Arbeit keinesfalls abwerten. Doch ich kann einfach nichts damit anfangen. Kunst ist ja bekanntlich Geschmackssache. Genau so wird es vielen anderen auch gehen, ein Download ist eben kein entgangener Verkauf. Und ganz wichtig: Die wenigsten teilen ihre Musiksammlung, weil sie die Arbeit der Musiker nicht anerkennen. Eigentlich ist es für viele sogar das Gegenteil, sie würdigen die Musik damit.
Dirk von Gehlen wagt einen Vergleich:
Wer negativ auf die Bitte reagiert, eine Datei zu verdoppeln, unterlässt eine Tätigkeit, die für ihn ohne Aufwand möglich wäre. Fast so als weigere man sich, einen unbesetzten Platz in der Bahn freizugeben, auf dem man lediglich die eigenen Tasche deponiert hat. Das gilt als unhöflich, unfreundlich und im Zweifel als moralisch falsch.
Genau so habe auch ich es erlebt. Sowohl an LAN-Partys wie auch bei Peer-to-Peer-Tauschplattformen ist die Einstellung: Es gehört zum Anstand, nicht nur zu saugen sondern seine Perlen auch für andere zugänglich zu machen. Für BitTorrent gibt es deshalb sogar Anti-Leech-Trackers, die alle zu einem bestimmten Verhältnis zwischen Up- und Download zwingen. Es wird eben als asozial angesehen, wenn man nur leecht und nicht gleichzeitig seedet. Dennoch ist es für mich selbstverständlich, meine Lieblingsbands zu unterstützen. Ich will ja, dass sie weiter Musik veröffentlichen.
Die digitale Revolution
Jetzt noch etwas abstrakter. Man kann heute fast kostenfrei eine exakte Kopie des Originals (was ist eigentlich ein Original?) erstellen, ohne dass die ursprüngliche Datei verschwindet oder abgenutzt wird. Kein Gesetz auf dieser Welt kann das ändern, das ist die Realität. Das heisst: Filesharing wird betrieben und es wird immer betrieben werden. Damit muss man umgehen können, ein Umdenken ist notwendig. Das Ziel eines guten Gesetzes muss sein, dass sich möglichst alle freiwillig daran halten, dass es gesellschaftlich akzeptiert wird, dass es nur wenige brechen. Werden hingegen Repression, Überwachung und Verfolgung zum Alltag, hat das zwei Effekte. Das Gesetz verliert seine Legitimation und die Musiker sind erst recht nicht zufrieden. Francis Gurry, Direktor der WIPO, hat mal gesagt:
Wir haben keine andere Wahl; entweder passt sich das Urheberrechtssystem dem natürlichen Lauf der Dinge an, oder es verschwindet. Die Geschichte zeigt, dass es unmöglich ist, den technischen Fortschritt aufzuhalten. Statt dagegen anzukämpfen, müssen wir uns dem Unvermeidlichen stellen und uns auf intelligente Weise anpassen.
Genau darum geht es mir. Ich will nicht, dass es wegen einem Kampf gegen die Realität am Ende nur Verlierer gibt. Deshalb lohnt es sich, der Frage nachzugehen, wie man trotz (oder gerade wegen) der Möglichkeit des Kopierens Geld verdienen kann. Und dabei geht es nicht einmal nur um die Internetuser.
Ein kulantes Urheberrecht dient auch den Musikern. Die Möglichkeit zu teilen und sich Teilen bedienen zu können ist eine wichtige Voraussetzung für neue spannende Produkte. Besonders auf YouTube fällt auf, wie kreativ Musiker sein können. Wenn ich mir die vielen Interpretationen von Super Mario oder nochmal Super Mario anhöre, bin ich ganz aus dem Häuschen. Oder diese Version von Coldplays Paradise. Einfach genial. Und sollten diese Videos den Geschmack nicht treffen: Keine Angst, es ist für alle etwas dabei. Auch beim Rap ist es keine Seltenheit, dass bekannte Melodien verwendet werden. Siehe z.B. Coolio. Ihm ist mit einer Interpretation des Pachelbel Kanons ein sehr schönes Lied gelungen. Allgemein frage ich mich: Was würde die Musikbranche nur tun, wenn der Pachelbel-Kanon geschützt wäre und der Urheber die Verwendung verbieten würde?
Marcel Weiss von neunetz.com rechnet vor, dass die Schutzfrist für das Urheberrecht heute auf 130 Jahre und mehr schiessen kann. Er schlussfolgert:
Damit wird klar, dass das Urheberrecht in seiner aktuellen Form vor allem ein Verwerterrecht ist und dass es die Kulturproduktion zugunsten vorhandener Werke schwächt: Denn je mehr Rechte man den Urhebern von heute und gestern zugesteht, desto geringeren Handlungsspielraum haben die Urheber von morgen.
Man kann ganz grundsätzlich sagen: Aus nichts kommt nichts, wir verarbeiten immer alte Ideen zu neuen Ideen; wir kombinieren sie und wir verbessern sie. Natürlich steckt Arbeit dahinter und es braucht auch eine Prise Talent. Deshalb gebührt dem Macher eine Anerkennung.
Unser Positionspapier sagt es folgendermassen:
Der Schutz geistiger Werke für die Gemeinschaft kann sich nur legitimieren, indem sie geistige Werke in ausreichender Anzahl und Qualität der Allgemeinheit zugänglich macht. Jedes geistige Werk enthält inhärent die Schöpfung anderer, daher hat jeder Urheber ein Interesse an der Begrenztheit dieses Monopols. Der Schutz geistiger Werke muss sich daher sowohl in Zeit, als auch im Umfang zurückhalten.
Nutzt die neuen Chancen!
Während Gesprächen mit Musikern, Labels und Verwertungsgesellschaften ist mir eine Sache besonders aufgefallen. Früher oder später wird das iPhone gezückt und die Hassrede gegen Apple beginnt. Oder gegen Youtube und Google. Ich denke, ich verstehe euer Leid. Ihr seht, wie sich Weltkonzerne mit Milliardenumsätzen eine goldene Nase an eurer Musik verdienen. Selber steht ihr aber vergleichsweise schlecht da. Verständlich, dass ihr euch dabei hilflos und benutzt fühlt. Auch ich empfinde das als ungerecht.
Allerdings wird die Situation nicht besser, wenn man immer nur das Internet verteufelt und die Moral der Musiktauschenden in Frage stellt. Lieber Gimma, man muss nicht glücklich sein mit der Situation. Im Gegenteil: Du darfst natürlich eine schlechte Meinung darüber haben. Mit dem Zeitgeist zu gehen wäre allerdings dennoch ein sinnvoller Schritt. Ein Vergleich. Gerade in der Software-Branche gibt es vor allem dann Geld, wenn die Dienstleistung um das verkaufte Produkt stimmt. Dazu gehören Bugfixes, regelmässig neue Features, guter Support, der Einbezug der Community und – wichtiger denn je – Usability. Auf diese Weise verdienen viele Firmen sehr viel Geld. Und das obwohl die verwendete Software quelloffen und kostenlos zur Verfügung steht.
Auch bei Musik erscheint mir ein Ausbau der Dienstleistung sinnvoll. Die Piano Guys machen es vor: Es ist möglich, eine Community aufzubauen und mit ihr zu interagieren. Man kann sie persönlich ansprechen, sich für ihre grossartige Unterstützung bedanken und die Fans bitten, das neue Album zu kaufen. Dope Stars Inc. ging noch einen Schritt weiter und liess die Community den Text zu einem Lied schreiben.
Mit dem Internet ist der Zugang zu den Fans leichter denn je. Das kann man für sich nutzen. Das muss man für sich nutzen, wenn man weiterhin erfolgreich sein will. Die CD ist out.
Parasiten
Natürlich gibt es, wie überall, auch Schmarotzer. Plattformen, die Premium-Accounts verkaufen, damit man mit voller Geschwindigkeit Musik und Filme saugen kann. Stichworte kino.to und MegaUpload. Diese haben viel Geld mit der Arbeit anderer verdient. Das ist auch für mein Empfinden falsch und daneben. Ein modernes Urheberrecht sollte haargenau solche Plattformen angehen. kino.to muss immer illegal sein und es muss Möglichkeiten geben, das auch durchsetzen zu können. Es gibt dabei zwei Knacknüsse: Ab wann steht kommerzielles Interesse hinter der Kopie? Sprich: Wie unterscheidet man zwischen privater und kommerzieller Verwendung? Und wie setzt man das durch?
Jederzeit aber muss der private Austausch vollständig legal sein. Es ist schlicht nicht möglich, eine andere Regel durch zu setzen. Die Konsequenzen müssen natürlich zusammen mit dieser Forderung betrachtet werden. Wenn Filesharing zu Umsatzrückgängen führt – und ich kann mir das gut vorstellen – dann ist es nur richtig, Möglichkeiten wie eine Kulturflatrate zu diskutieren.
Fazit
Natürlich ist das alles nicht einfach. Während wenigen Jahren wurde die Welt auf den Kopf gestellt. Das spürt nicht zuletzt die Unterhaltungsindustrie, die den Wandel verschlafen oder gar bekämpft hat, nun vor gewaltigen Herausforderungen steht und gleichzeitig mit einem angeschlagenen Image kämpft. Auch für mich ist es aufwändig und schwierig, den Überblick zu behalten. Das Urheberrecht ist komplex, die modernen Technologien ebenso. Sehr spannend zu diesem Thema ist die Folge “Diebe im Netz” von “1 gegen 1″.
Schlussendlich will ich schlicht meine Freiheiten im Internet behalten. Und natürlich will ich mir dabei nicht anmassen, für die Musiker zu reden. Verstehen will ich sie aber. So freue ich mich immer, wenn ich mit Bands oder Labels über dieses Thema reden kann. Dabei ist mir z.B. auch schon aufgefallen, dass ich Musik als Kultur verstehe, die Musiker allerdings sehen ihre Lieder als Produkte, die sie verkaufen wollen.
Trotz unterschiedlichem Hintergrund habe ich das Gefühl, dass sowohl die Piraten wie auch Musiker ein gemeinsames Ziel haben. Die entscheidende Frage ist doch: Was ist die Voraussetzung, damit vielfältig Musik produziert wird? Denn das ist es, woran wir alle stark interessiert sind. Es wäre eine öde Welt ohne gute Auswahl an Musik.
Tags: 1 gegen 1 > Apple > Diebe im Netz > Dirk von Gehlen > Dope Stars Inc. > Filesharing > Francis Gurry > Gimma > Google > iTunes > kino.to > Marcel Weiss > MegaUpload > Musik > Musiker > Piraten > Software > The Piano Guys > Unterhaltungsindustrie > Urheberrecht > WIPO > Youtube
Kommentare
43 Responses to “Das Internet ist kein Nazi-Regime”
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April 25th, 2012 @ 21:38
Toller Beitrag. Übrigens, Du schreibst: “Auch beim Rap ist es keine Seltenheit, dass bekannte Melodien verwendet werden.” Das ist ziemlich untertrieben, Rap-Musik basiert darauf, bestehendes neu zu verwerten und als kleiner Rap-Musiker ist es heutzutage praktisch unmöglich, dass zu tun, was in den Anfängen des Raps Alltag war: Bekannte Platte in den Sampler wursteln, remixen und etwas darüber labern.
Den Geschmack von Gimma hättest Du aber sicher eher mit Dan Bull getroffen – in diesem Video kann man sogar noch etwas über das Thema lernen.. http://www.youtube.com/watch?v=elUwRb4DroU
April 25th, 2012 @ 21:41
Danke. Ich habe auch lange dran geschrieben :).
Ja, das ist eine Untertreibung, da hast du recht. Und ein guter Tipp mit dem Video, danke! Ich denke mal, er wird deinen Kommentar auch lesen. Hoffentlich.
April 25th, 2012 @ 22:20
Schon alleine mit dem Nazi Vergleich zeigt doch der Herr Gimma, wie schwer es ihm fällt sachlich über das Thema zu sprechen.
Es ist einfach mühsam immer die selbe Leier zu hören. Es gilt zuerst bei den Verwertungsgesellschaften anzuklopfen und da mal nachzufragen, ob sie bereit sind, über neue Geschäftsmodelle nachzudenken.
Autoren quetschen immer wieder dieselben Themen aus, Musiker versuchen mehr oder weniger erfolgreich aufgewärmtes als neu zu verkaufen und so rennt doch ziemlich jeder einem Trend hinterher und versucht Geld zu verdienen.
Es kann doch nicht sein, nur weil jemand auf seiner Gitarre klimpert, er gleich Anspruch darauf hat, dass seine Musik auch bezahlt wird. Der Lebensmittelladen hat auch keinen Anspruch, dass er für alle Bananen in der Auslage auch Geld bekommt.
Dazwischen steht auch noch so etwas wie ein Marketing und anstatt das die nichtverkauften Bananen dann in irgendwelchen Containern verroten, liegt halt die Musik auf irgendwelchen Plattformen und wird verteilt – in vielen Fällen ist das kostenloses Marketing!
Was solche kleinen Lichter wie der Gimma wollen ist eine Pauschalapanage, so eine Art Zwangsabgabe für den Müll, den er nicht verkaufen kann und vielleicht doch irgendwo noch von jemandem runtergeladen und gehört werden.
Ich vergleichs immer mit der Zeitung im Cafe. Die lesen auch mehrere Leute obwohl sie nur einmal bezahlt wurde. Wollen wir deshalb die Polizei bemühen und jeden bestrafen, der nicht die Zeitung selber kauft? Das ist doch unverhältnismässiger Blödsinn!
Die Branche soll endlich aufhören Geld in Anwälte zu investieren, sondern in kreative Köpfe! Aber scheinbar ist das Problem dieser Ignoranten, dass sie erstens mit dem Medium Internet komplett überfordert sind und es mit Ihrer eigenen Kreativität nicht weit her ist – und für das bin ich nicht bereit zu bezahlen!
April 25th, 2012 @ 22:31
Serijoscha, ich bin stellenweise einverstanden, aber gerade die Vergleiche mit physisch existierenden Konsumgütern sind der Sache eher abträglich. Das reine Musikstück ist mittlerweile nur noch eine Aneinanderreihung von Informationen, welche praktisch ohne Kosten manipuliert und vervielfältigt werden können. Das ist ja der Knackpunkt der digitalen Revolution, welche beim Urheberrecht beginnt und in absehbarer Zukunft in vielen weiteren, viel umsatzstärkeren Industriezweigen weiter gehen wird.
April 25th, 2012 @ 23:09
[...] geschliffen seine Sicht auf das Thema Kultur und Internet zusammengefasst. Ich habe mir erlaubt, sein Posting hier als Gastkommentar zu veröffentlichen. Danke lieber Simon, für diesen Text! Lieber [...]
April 26th, 2012 @ 10:38
Sehr schöne, unaufgeregte und detaillierte Aufarbeitung des Themas.
Einzig bezüglich der Zielrichtung der Weiterentwicklung des Internets orte ich einen kleinen Widerspruch: Mit der Überlegung “Ab wann steht kommerzielles Interesse hinter der Kopie?” fällt Simon dann ganz am Ende doch wieder auf die traditionelle Hypostasierung (Verdinglichung) der Kopie herein.
Es muss ein für alle Mal festgestellt werden, dass ein Künstler nicht 100’000 Kopien herstellt (die werden von den Downloadern hergestellt!) sondern 1 Werk.
Dafür soll er nach Aufwand und Qualität bezahlt werden und nicht auf den Jackpot der 1 Million verkaufter CDs hoffen.
Die Denke muss vom Produktverkauf (100’000 CDs) zum (Dienst-)Leistungsverkauf (1 Komposition, Interpretation, …) umgestellt werden.
In dieser Richtung gibt es noch viele unausgeschöpften Modelle, wie man etwa an der kulturellen Entwicklung vor dem Urheberrecht sehen kann.
Was sicher allen schadet, ist Kulturverhinderung, wie sie unter der Hypnose der Hypostasierung der Kopie von Verwertern, Kulturbürokraten und Verwertungsgesellschaften mittels Verunglimpfung der Kritiker des Urheberrechts auf Kosten der Kreativen betrieben wird. Wir lassen uns nicht in die Nazi-Ecke stellen!
April 26th, 2012 @ 10:45
Hi Denis!
Ich begrüsse es, dass Du Dir die Mühe genommen hast, einen solch ausführlichen Artikel zu verfassen, den ich spannend und irgendwie aus Deiner Sichtweise auch nachvollziehbar finde. Gerne würde ich mich ausführlicher dazu äussern, aber das würde hier den Rahmen sprengen. Und irgendwie habe ich (und viele andere auch) in den letzten Wochen und Monaten sooo viel Zeit darin investiert, uns permanent zu rechtfertigen und uns alle Inputs anzuhören, dass ich fast noch ein politisches Amt ins Auge fassen müsste :-) Und nach mehreren Treffen mit Euch (diversen Parteimitgliedern), welche sehr konstruktiv und spannend verliefen, musste ich dann mit Schrecken feststellen, dass auch seitens der Piratenpartei immer wieder die selben ausgelutschten Argumente ins Feld geführt werden (Hinweis: Der Auftritt Eures Präsidenten bei G/M auf SF). Sorry, aber dieser Auftritt war echt für die Tonne, und ich frage mich danach, was die Treffen denn wirklich gebracht haben.. (zumal das politische Gewicht von 0,5% dies auch nicht rechtfertigen würde).
Nun denn, ich möchte noch ein paar Inputs von Dir aus meiner Sicht durchleuchten – als Addendum wäre noch hinzuzufügen, dass GIMMA ein grossartiger Künstler ist und er gerne auch aneckt, damit die Diskussion etwas an Fahrt gewinnt.
Ob Musik nun Kultur ist oder ein Produkt, darüber lässt sich streiten. Aus Sicht der Musikschaffenden ist es wohl meist ein Produkt. Nur die wenigsten “kulturell aktiven” Musiker werden subventioniert. Irgendwie ist doch alles Kultur, was geschaffen wird, ob Software, Games, ein Gebäude.. you name it! Sogar das Internet ist Kultur, zweifelsohne.
Stichwort FILESHARING: Filesharing gab es schon immer, ob mit Kopien auf Kassetten oder Datenträgern, und gegen das “persönliche Filesharing” ist auch absolut NICHTS einzuwenden. Im Gegenteil: Filesharing ist ein wichtiger Bestandteil, der auch dazu dient, dass etwas, was Freude bereitet, auch weitergegeben kann, und dies ist auch insgesamt ein verkaufsfördernder Prozess. Wir müssen aber im Jahre 2012 etwas feststellen: Files werden nicht mehr unter Freunden und Familie im kleinen Rahmen getauscht, sondern öffentlich als Download-Links in Foren gestellt und innerhalb Sekunden der ganzen Welt frei zur Verfügung gestellt. Das ist dann kein “dedicated Filesharing” mehr, sondern ein absolut unfairer, respektloser Prozess, der ganze Industriezweige vernichtet und Existenzgrundlagen zerstört – und dies ILLEGAL! Das (Schweizer) Urheberrecht spricht eine eindeutige Sprache: Wer etwas erschafft, der darf einzig und allein darüber entscheiden, was mit seinem Schaffen angestellt wird, sprich: Man hat die Wahl, ob man sein Werk verkaufen, lizenzieren oder verschenken will, wann, wo und an wen. Das nennt sich Urheberrecht – und über dieses Grundrecht (sogar ein “Menschenrecht”) soll und darf nicht debattiert werden. Man kann sich darüber streiten, ob bis 70 Jahre nach dem Tode, eine lange Dauer ist, aber das Urheberrecht darf nicht angetastet und degradiert werden. Sonst schmelzten die Errungenschaften der letzten 200 Jahre einfach so dahin. Und genau die Entwicklungen der vergangenen 100-200 Jahre hatten dazu geführt, dass die heutige Gesellschaft über mehr Rechte verfügt, sozial abgesicherter ist, etc etc… (ich weiss, hierzu könnte man nochmals 3 Tage diskutieren, wenn man die globale Situation anschauen würde).
Was mich extrem stört und für mich in keinster würdevoller Weise Sinn macht, ist, dass Ihr etwas konsumiert, und danach entscheidet, ob Ihr dafür etwas bezahlen wollt oder nicht. Diesen Prozess könnt Ihr nirgendwo in die Realwirtschaft oder physische Welt übertragen. Mal einen Aston Martin in der Garage holen, rumfahren und dann entscheiden, ob er Euch gefällt..? Sorry – da habe ich echt meine Probleme damit. Das ist schlichtweg ein Asoziales Verhalten, welches sich in keinster Weise rechtfertigen lässt. Ihr seid keine armen Drittwelt-Konsumenten, welche es sich nicht leisten könnten oder vielleicht auch ein Recht auf mehr Konsum oder Information hätten (dazu frage ich mich sowieso, weshalb Ihr als Verfechter der frei zugänglichen Information, Eure Power nicht dort einsetzt, wo es nötig wäre und zur einer gerechteren globalen Situation führen würde). Wenn Ihr für diese Ideologie einstehen wollt, dann bitte KONSEQUENT! Gleiches Recht für alle..! Die Geschichte hat aber gezeigt, dass solche Systeme wiederum zu neuen Ungerechtigkeiten führen.
Ihr sprecht immer von “Tausch”: Was kriegen wir denn im Austausch zu Eurem Datenklau..? Ein Tausch ist doch immer gegenseitig. IHR tauscht aber etwas, was Ihr nicht besitzt oder rechtlich erworben habt mit Leuten, welche das ebenso wenig getan haben. Ein Tausch ist etwas, wovon beide Seiten profitieren sollten. Sonst ist es kein Tausch, sondern ein selbstgefälliges utilitaristisches Ego-Gehabe. Dass Typen wie Kim dann noch auffällig monetär davon profitieren, ist nicht nur verwerflich, sondern kriminell.
Internet: Also Jungs, nur zu Eurer Information. Denkt Ihr eigentlich, dass wir alle auf dem Mond leben und null Ahnung von digitaler Revolution und Internet haben..? Manche von uns haben schon auf dem C64 rumgewerkelt und sich sehr früh mit alten Müll-PC’s im Internet rumgetummelt und sich mit diesem Thema beschäftigt, da lutschten manche von Euch noch am Schnuller (bitte jetzt nicht überbewerten, gell..?) :-) Und wir alle sind entschieden gegen eine Ueberwachung – sei es im öffentlichen Raum, von digitalen Datenkraken wie Google oder Apple, von Staatsorganen mittels Abhören etc., ABER das Internet ist auch nur ein Spiegel und Abbild der Realen Welt! Und aus diesem Grund KANN und DARF dies nicht ein absolut rechtsfreier Raum werden. Und je mehr ihr das Internet missbraucht, desto mehr Gesetze werden folgen..! Soll Kinderpornographie bspw. auch rechtsfrei im Internet bewegt und konsumiert werden dürfen..? Wo machen wir eine Grenze…?
Fakt ist, und da sprechen wir Musikschaffenden aus Erfahrung: Die absolute Selbstvermarktung und Möglichkeit, sein Schaffen der ganzen Welt per Knopfdruck zugänglich zu machen, damit es auch jemanden interessiert, ist eine Illusion. Genauso wie die ganze Ueberbewertung der zahlreichen Social-Media Formate. All diese Produkte oder Plattformen, wie auch ein TV-Sender im Stile von RTL2, dienen rein nur dazu, dass jeder Mensch die Möglichkeit hat, sich einer breiten Oeffentlichkeit zu präsentieren und auch noch seinen Senf ins kollektiv zu streamen. Und dieser Content wird dann von Grosskonzernen wie Google kostenlos integriert und im grossen Stil kommerziell vermarktet (und diesbezüglich hat Sven Regener recht).
“Nutze die neuen Chancen..!” Lieber Denis, denkst Du nicht, dass dass alle schon seit Jahren versuchen…? Das kann ja super funktionieren, aber Ihr vergesst immer die Komponisten und Produzenten – diese können Ihre Einbussen NICHT durch Auftritte oder Merchandising kompensieren. Versteht Ihr das denn endlich mal…???? Nicht jeder Musikschaffender ist auch auf Konzert-Tour oder gleichzeitig Interpret oder DJ!!! Mag sein, dass für zahlreiche Interpreten der Verkauf von Musik nur noch Nebensache ist (tragisch, oder?), aber Ihr könnt das nicht auf die ganze Branche übertragen. Ich mag auch die olle Kamelle bezüglich böser Plattenfirmen etc nicht mehr hören. Die meisten davon sind bereits von der Bildfläche verschwunden oder dümpeln auf KMU-Level noch vor sich hin. Und lustigerweise sind zahlreiche Indie-Labels und -Künstler von dieser Entwicklung noch mehr betroffen…..
Bezüglich Rapidshare und Konsorte erspare ich mir jeglichen Kommentar. Dies ist einfach nur verwerflich und inakzeptabel – und deshalb stimme ich Dir hier 100% zu.
Bezüglich Eurem “abstrakten Denken” von Digitalen Kopien: Diese Einstellung verstehe ich irgendwie, ganz ehrlich, aber die Reduktion von Musik auf Bits und Bytes ist nicht ganz fair. Musik ist etwas Analoges, welches im Laufe der Zeit digitalisiert wurde. Programmier-Code war und ist von Anfang an digital. Deshalb könnt Ihr das nicht in die selbe Schublade stecken. Es gibt einen Unterschied zwischen Information und Emotion. Und Lizenz ist Lizenz.
Ich könnte hier jetzt noch stundenlang was schreiben, aber ich möchte keinesfalls den Anschein erwecken, gefrustet zu sein etc. (werden jetzt viele bestimmt anders empfinden, aber wer mich kennt, der weiss wie’s aussieht). Ich finde die Ansätze der Piraten echt spannend, und wenn Ihr Eure Energie intensiver dort einsetzen würdet, wo’s nötig ist und auch zu mehr sozialer Gerechtigkeit führte, dann hättet Ihr auch meine Stimme! Also, bitte mal Grosskonzerne genauer unter die Lupe nehmen, den Staat, die Globalisierung, den Welthunger / -frieden.. whatever..!
Freies Internet: ja – aber auch gerecht und fair!
So, und jetzt freue ich mich auf die digitale sachliche Schelte! Gruss an alle ;-)
Andy Prinz
PS Kulturflat: Wir möchten nicht subventioniert werden, sondern rein den fairen Markt spielen lassen. Subvention ist generell ungerecht und administrativ aufwändig + in unserem Fall abrechnungstechnisch nicht durchführbar. Den ganzen Billag-Krempel haben wir schon zur Genüge. Noch mehr Staat für nichts, nein danke. Gerne können wir das Modell diskutieren (wenn es auf Provider-Ebene stattfindet, da dort das grosse Geld mit überteuertem Internetzugang gemacht wird!). My personal thoughts…
April 26th, 2012 @ 11:09
Andy, Du schreibst: “Was mich extrem stört und für mich in keinster würdevoller Weise Sinn macht, ist, dass Ihr etwas konsumiert, und danach entscheidet, ob Ihr dafür etwas bezahlen wollt oder nicht. Diesen Prozess könnt Ihr nirgendwo in die Realwirtschaft oder physische Welt übertragen”
Das stimmt einfach nicht. Es gibt zum Beispiel die Bezahlform der Kollekte, einer freiwilligen Spende, wenn einem eine Darbietung, Vortrag oder ähnliches besonders gefallen hat. Es gibt zum Beispiel Android-Apps, welche gratis sind, aber eine kostenpflichtige Zusatz-App anbieten, die den alleinigen Zweck hat, den Programmierer zu unterstützen. Die Liste lässt sich sicherlich weiterführen.
April 26th, 2012 @ 12:37
Hallo ganz Grosse mit 0.5% Stimmenanteil :> Gimma scheint fremdgrössenwahnsinnig …
Andy, Probe hören hat sehr wohl Gegenstücke in der realen welt — ich persönlich würde definitiv einen Wagen probe fahren, bevor ich ihn kaufe. Oder ein Haus ansehen oder eine Hose anprobieren. Wobei Letzteres habe ich auch schon bleiben lassen, was dann einen Mehraufwand in Form von Umtauschen zur Folge hatte …
Ein Album kostet rund dreissig Stutz — dafür arbeitet jemand vielleicht eine Stunde. Findest Du das allen Ernstes ein fairer Preis um kurz reinzuhören? Da müssten Eure Labels und Verwertungsgesellschaften ein anständiges Modell anbieten — aber stattdessen verkaufen die Euch an Sp0tify :p
Gegen Kulturflat bin ich übrigens auch, schon nur weil die Musiker die ich schätze davon kaum was abkriegen würden … Genauso wie ich keine SUISA-Gebühren auf meinem Mp3-Player mag, ich hab da ausschliesslich bezahlte oder freie Musik drauf!
PS: http://rusconi-music.com/ — unterstützenswerte schweizer Musik von Jungs, die es auf die andere Tour versuchen :-)
PS: Ein wichtiger Unterschied zwischen Emotion und Information ist übrigens die Messbarkeit — sehr schön dargestellt in http://www.pnas.org/content/early/2012/04/10/1200155109 Und wenn Du mal programmiert hättest, wüsstest Du wieviele Emotionen in Code stecken können und last but not least gibt es ja auch rein digitale Musik, die nach Deiner Argumentation weniger Wert wäre :-)
April 26th, 2012 @ 14:10
Man kann einen Aston Martin probefahren, wenn man ein potentieller Käufer ist. Und zwar nicht nur 20 Minuten. Wieso sollte man sich als potentieller Kulturkäufer die Kultur nicht probieren dürfen und dann entscheiden wem man zfinanzkraft geben möchte?
April 26th, 2012 @ 14:16
Netter Text, aber:
“Allerdings muss ich gestehen, dass ich für deine Musik nicht gezahlt habe. Der Grund ist einfach: Ich mag dein Genre nicht so, wollte mir aber trotzdem einen Überblick verschaffen (..)”
Erfrischend ehrlich, aber: So eine Einstellung ist völlig inakzeptabel und macht eine konstruktive Unterhaltung unmöglich. Freilich ist das kein Diebstahl, aber es ist Betrug. Du bereicherst dich an den Leistungen Anderer, entlohnst sie dafür aber nicht. Unerheblich ist hierbei, dass du nur deine Neugier stillst und nicht wirklich die Musik haben willst.
“Das Ziel eines guten Gesetzes muss sein, dass sich möglichst alle freiwillig daran halten”
Das ist Quatsch. Ziel eines Gesetzes ist es, ein Zusammenleben zu ermöglichen, in dem keiner gegenüber anderen unnötig benachteiligt ist. Es wäre natürlich schön, aber wenn sich alle freiwillig daran hielten – aber dann bräuchte man auch keine Gesetze. Gesetze schaffen die Voraussetzung Regeln auf judikativer Ebene durchzusetzen. Wenn das ein großer Teil der Menschen als ungerecht empfindet ist das zwar bedauerlich, aber auf der anderen Seite steht ebenfalls eine Seite, die zu berücksichtigen ist. Beide Seiten zu berücksichtigen ist wichtig, um ein friedliches Zusammenleben zu ermöglichen.
” (…) dann ist es nur richtig, Möglichkeiten wie eine Kulturflatrate zu diskutieren.”
Vielleicht ist so eine Kulturflatrate eine gute Idee. Fraglich ist nur, ob sich das sich das für beide Seiten zufriedenstellend umsetzen lässt. Das Geld muss ja irgendwer einziehen. Mal nach Deutschland geguckt, wie gut eine Verwertergesellschaft funktioniert? Wie fair diese für kleine Bands ist?
Wie willst du sicherstellen, dass die Lösung alle Interessen berücksichtigt? Das sind Fragen, auf die es Antworten braucht, wenn man nicht bloß auf abstrakter Ebene reden möchte. Die eigene Freiheit hat nämlich immer dort ihre Grenze, wo die Freiheit anderer beeinträchtigt wird. Ob du das nun gut findest oder nicht.
April 26th, 2012 @ 14:26
“Freilich ist das kein Diebstahl, aber es ist Betrug. Du bereicherst dich an den Leistungen Anderer, entlohnst sie dafür aber nicht. Unerheblich ist hierbei, dass du nur deine Neugier stillst und nicht wirklich die Musik haben willst.”
Ich könnte kotzen.
April 26th, 2012 @ 14:51
Cedric,
“Ich könnte kotzen.”
Sicher, ich finde es auch total magenreizend, dass jeder Geld von mir haben will und mir nichts schenkt – und es auch nicht gut findet, wenn ich mich selbst bediene.
Aber: Schon mal drüber nachgedacht, dass die Gegenseite auch das Bedürfnis verspüren könnte, ihr Mittagessen wieder auszuspucken?
April 26th, 2012 @ 15:30
Patrick,
“Freilich ist das kein Diebstahl, aber es ist Betrug. Du bereicherst dich an den Leistungen Anderer, entlohnst sie dafür aber nicht. Unerheblich ist hierbei, dass du nur deine Neugier stillst und nicht wirklich die Musik haben willst.”
Um nochmals auf das oben erwähnte Bsp. zurückzukommen: Findest Du es auch Betrug, bei drei verschiedenen Autoherstellern probezufahren, bevor Du Dich definitv für ein Auto entscheidest, das du kaufst?
April 26th, 2012 @ 15:34
Patrick,
Es bringt nichts, diese Realität bei dieser Diskussion zu verschweigen. Man muss der Wahrheit ins Auge schauen um eine Lösung zu finden…
Ein abstrakter Vergleich: Es mag sein, dass es für manche inakzeptabel ist, dass es manchmal heftig regnet. Dennoch muss man es akzeptieren. Jede Firma muss berücksichtigen, dass nicht immer die Sonne scheint. Sollte man sein Geschäftsmodell so ausrichten, dass es nur funktioniert, wenn es nie regnet, wird man schlicht nicht erfolgreich sein.
Meine Meinung: Die Welt hat sich verändert und man kann nicht mehr auf die gleiche Weise viel Geld verdienen wie vor 30 Jahren noch. Dabei ist es ganz unerheblich, ob man diese Veränderung gut findet. Sie ist schlicht Realität.
April 26th, 2012 @ 15:40
magdalena,
“Findest Du es auch Betrug, bei drei verschiedenen Autoherstellern probezufahren, bevor Du Dich definitv für ein Auto entscheidest, das du kaufst?”
nicht alles was hinkt ist ein Vergleich – salopp gesagt. Der Vergleich ist schlecht, weil wir hier von materiellen Gütern sprechen, bei kopierten Daten aber nicht.
Natürlich finde ich das nicht.
Das Ding ist: Du nimmst dir das Auto ja nicht einfach vom Hof, fährst dann damit Probe und parkst es anschließend in deiner Garage, ohne es jemals wieder zu benutzen.
Nein. Du fragst den Autohändler, ob du Probe fahren darfst und lässt dir einen Schlüssel geben. Du gibst wahrscheinlich sogar Daten ab, die sicherstellen, dass er dir was kann, wenn du das Auto nicht zurückbringst – oder er fährt einfach mit.
Der Unterschied ist die bewusste Entscheidung des Händlers dir eine Leistung kostenlos zu gewähren, um dir den Kauf schmackhaft zu machen.
Natürlich hinkt die Aussage bezüglich “in der Garage stehen lassen” etwas, weil ein Auto nun mal was ziemlich materielles ist, was man stehlen kann. Aber das bringt dein Vergleich mit sich.
Besser ist vielleicht der Vergleich mit dem öffentlichen Nahverkehr. Wenn du einsteigst um mal auszuprobieren, wie es so ist damit zu fahren, aber keine Fahrkarte kaufst, ist das per Gesetz Betrug (“Erschleichen von Leistungen”).
April 26th, 2012 @ 15:50
Dennis,
“Es bringt nichts, diese Realität bei dieser Diskussion zu verschweigen. Man muss der Wahrheit ins Auge schauen um eine Lösung zu finden…”
Da hast du ja Recht. Du vergisst aber den anderen Teil der Wahrheit: Mit hoher Wahrscheinlichkeit werden Schutzrechte Teil unserer Gesetzgebung bleiben. Auch weiterhin werden die fehlenden Einnahmen also mit Abmahnungen und utopisch hohen Ersatzzahlungen reingeholt werden.
Das ist auch eine Folge der “Geiz ist Geil”-Mentalität.
“Ein abstrakter Vergleich: Es mag sein, dass es für manche inakzeptabel ist, dass es manchmal heftig regnet.”
Nicht nur abstrakt, sondern völlig unpassend. Gegen die Naturgewalt können wir tatsächlich nichts tun. Gesetze können aber für einen Interessenausgleich sorgen, wenn Menschen sich mehr nehmen als ihnen zusteht und (aufgrund geänderter technischer Möglichkeiten) noch mehr als bisher.
“Meine Meinung: Die Welt hat sich verändert und man kann nicht mehr auf die gleiche Weise viel Geld verdienen wie vor 30 Jahren noch. Dabei ist es ganz unerheblich, ob man diese Veränderung gut findet. Sie ist schlicht Realität.”
Auch da hast du Recht. Andersrum wird aber eben auch ein Schuh draus: Nur weil man etwas kann, darf man nicht erwarten, dass das auch jemand gut findet und akzeptiert. Die Folgen kriegen Konsumenten bereits jetzt zu spüren: Abmahnungen, Kopierschutzmechanismen, Raubkopiererspots die man nicht wegschalten kann vor einem Film. Helfen tut das nur bedingt.
Der Punkt ist halt: Wenn man eine konstruktive Diskussion führen will, muss man das auch tun. Nur abstrakt um den heißen Brei reden und nebenbei sagen “Face it! Die Realität hat sich geändert und das musst du akzeptieren” führt zu keiner Lösung – für keine Seite.
April 26th, 2012 @ 16:24
Ja, deshalb treffen wir uns ja auch mit den Musikschaffenden, SUISA, mit Andy (hat oben kommentiert) habe ich auch einen Besuch abgemacht etc. Dieser Post war eine Darstellung meiner Sicht, nicht _die_ Diskussion ;).
April 26th, 2012 @ 17:56
Hey Cedric
“Ich könnte kotzen” sagt schon alles aus.
Grundsätzlich geht es doch simplerweise nur darum, dass jemand, der eine Arbeit verrichtet oder etwas erschafft, auch selbst darüber entscheiden soll, was und zu welchen Konditionen damit geschehen mag.
Cedric, arbeitest Du…? Und wenn ja, kostenlos..? Entscheidet Dein Arbeitgeber erst nach Deiner verrichteten Arbeit darüber, ob er Dir einen Lohn zahlen soll? Vielleicht möchte er ja Deine Arbeit nur mal “testen”.
Sorry, aber wenn für Euch das Internet eine Parallel-Welt ist, völlig losgelöst von der Realen Welt, dann akzeptiere ich Eurer Weltbild. Habt aber Verständnis dafür, dass wir das eher als parasitär und uncool empfinden.
April 26th, 2012 @ 18:01
Andy, natürlich arbeite ich für Geld. Aber wenn mir ein Freund auf dem Handy anruft und eine kleine Frage hat, dann beantworte ich die ihm rasch, ohne danach eine Rechnung zu verlangen.
Das “Ich könnte kotzen” bezog sich auf den völlig übertriebenen Vergleich von Patrick.
April 26th, 2012 @ 18:24
Cedric,
von welchem Vergleich redest du? Ich habe nichts verglichen, sondern die Tatsachen dargestellt. Ich weiß: Niemand will es hören, denn “kopieren ist nicht stehlen”, aber Fakt ist: Wer kopiert statt zu kaufen, bereichert sich selbst, ohne dass es ihm zusteht.
April 26th, 2012 @ 18:28
“Aber wenn mir ein Freund auf dem Handy anruft und eine kleine Frage hat, dann beantworte ich die ihm rasch, ohne danach eine Rechnung zu verlangen.”
Und klar tust du das, es ist ja auch dein Freund – womit du per se schon eine Gegenleistung erhälst, nämlich Freundschaft. Aber wenn jetzt irgendein Hinz oder Kunz kommen würde und dich anriefe, würdest du ihm seine kurze Frage auch rasch beantworten? Falls die Antwort ja lauten sollte, dann veröffentliche doch bitte deine Telefonnummer mit dem Hinweis: “Beantworte alle kleinen Fragen kostenlos” – ich hab da Bedarf und ich denke viele andere auch. Aber die Antwort wird vermutlich doch eher nein lauten, oder?
April 26th, 2012 @ 18:34
Patrick, “ohne dass es ihm zusteht” ist aber subjektiv. Und ich denke, das ist der grösste Reibungspunkt. Rein rechtlich gesehen ist es erlaubt, Musik ohne Bezahlung zu saugen. Es gibt dann Musiker, die es trotzdem falsch finden. Und es gibt Internetuser, die es als vollkommen in Ordnung ansehen. Oder solche, die nur bei Gefallen bezahlen.
April 26th, 2012 @ 18:50
Denis, da muss ich Dir widersprechen! Diese rechtliche Grauzone trifft auch nur hier auf die Schweiz zu; die ganzen Leervergütungen auf Harddisk’s usw. sind genau eine Folge dieser “Quasi-Legalisierung” – halt wie ein Flatrate. Finden dann auch wieder alle Scheisse…
Gemäss Urheberrecht ist der Schutz klar geregelt – und wer unsachgemäss vervielfältigt, ohne über eine Lizenz zu verfügen – handelt ganz bestimmt nicht “legal” (abgesehen davon, dass es ethisch verwerflich ist).
Die Diskussion ist überflüssig; es geht hier anscheinend nur darum, etwas zu konsumieren, wofür man nicht bezahlen will. Und jeder Konsument kann frei entscheiden, was er konsumieren will und wofür er bezahlen muss. So funktioniert der Kapitalismus.
Ob das jetzt die perfekte Gesellschaftsform ist, darüber lässt sich in der aktuellen Lage streiten. Aber die ganze Gratis- und “Geiz ist Geil”-Attitude geht mir langsam auf den Geist. Deshalb klinke ich mich aus der Diskussion hier aus.. Wenn fucking 1.50 CHF zuviel sind, dann frage ich mich echt, wo das noch hinführen soll.
Die ganze Degradierung unserer Welt auf Bits und Bytes ist einfach nur noch öde.
April 26th, 2012 @ 19:05
@Patrick: Nach dieser Logik bereichern sich folglich auch alle Menschen, die sich Bücher, Filme und Musik ausleihen, oder jeweils im Laden testen – denn schließlich wird für diesen Konsum ja auch nichts bezahlt. Und es kann ja durchaus sein, dass ich mir im Laden mal eine CD komplett anhöre, um mich danach gegen einen Kauf zu entscheiden.
Was für eine Art von “Bereicherung” soll das denn sein, wenn ich mir z.B. einen Song testweise kopiere und ihn danach wg. Mißfallen wieder lösche? Ich habe dadurch weder etwas gewonnen noch gespart. Ich weiß dann lediglich, dass mir der Song nicht gefällt. Diese Erfahrung kann ich auch machen, wenn ich den Song im Radio (oder im Laden) höre – ist das dann auch schon Bereicherung? Oder wollen wir am liebsten gleich wieder zu dem Zustand zurück, an dem es für den Endverbraucher noch keine Vervielfältigungsmöglichkeiten (Aufnehmen aus dem Radio, TV; Kopieren von Texten, …) gab? Dann müssen wir die Uhr aber um mehrere Jahrhunderte zurückdrehen, noch vor Gutenbergs historischer Erfindung.
Einen Kopiervorgang von Daten mit Diebstahl oder gar ‘Raub’ materieller Dinge gleichzusetzen ist absurd und wird es auch immer bleiben.
Und damit wir uns nicht mißverstehen: Wer Daten kopiert, um sie -regelmäßig- zu nutzen/konsumieren, und nicht dafür bezahlt, der bereichert sich natürlich. Wenn eine illegale Kopie ein kostenloser Ersatz für ein sonst erwerbspflichtiges Gut ist, ist das natürlich ein Fall von Bereicherung. Es kommt eben auf die Art und Weise der Nutzung bzw. des Konsumverhaltens an – womit man am Ende auch wieder bei der Frage der Verwertungsrechte wäre.
Ich finde es als Musiker und Musikhörer auch extrem bescheiden, wenn manche Leute sich als “Fans” bezeichnen, aber durch bloßes Herunterladen und Nicht-kaufen ihren angeblichen Lieblingsbands einen Bärendienst erweisen. Gleichermaßen bescheiden finde ich aber auch die pauschale Kriminalisierung, unsinnige Wortklaubereien á la “Raubkopie” und das lobbygesteuerte Denken der Politik. Weißt du, wovor die sog. “Musikindustrie” die größte Angst hat? Das sind nicht Piraten, denen man digitales Freibeutertum unterstellt, sondern das ist ein Zukunftsszenario, in dem die Industrie ihre Arbeiter plötzlich gerecht und angemessen entlohnen müsste. Gerade deshalb ist der Kampf für ein reformiertes Urheberrecht auch ein Kampf für mehr Gerechtigkeit für die Masse der “Kulturschaffenden”.
April 26th, 2012 @ 19:12
“Patrick, “ohne dass es ihm zusteht” ist aber subjektiv.”
Es ist der Reibungspunkt, ja. Aber deswegen ist es eigentlich nicht subjektiv. Dir steht zu, was dir gehört oder was dir jemand freiwillig (gegen Geld oder ohne) gibt. Nur weil sich Musik auf Bits und Bytes reduzieren lässt, ist das nicht weniger wert. Auch wenn du das für alles was du selbst machst vielleicht etwas liberaler betrachtest. Das ist aber deine freie Entscheidung. Der Musiker, der seine Musik über ein Label vermarktet, hat sich aber offensichtlich anders entschieden. Und du respektierst diese Entscheidung nicht – mit einer fadenscheinigen Begründung: Du willst dir ja nur einen Überblick verschaffen.
April 26th, 2012 @ 19:26
Patrick, in der Softwarewelt funktioniert doch das hervorragend: Es gibt Trial-Versionen und/oder Shareware, mit der man sich von der Qualität überzeugen kann.
Auch wenn es Musiker nicht gerne hören: Als letzte in der Verwertungskette erhalten die doch am wenigsten Musik von den so grossartigen Labels… Da verdienen sich einige vorher eine durchaus goldene Nase.
April 26th, 2012 @ 20:36
“Patrick, in der Softwarewelt funktioniert doch das hervorragend: Es gibt Trial-Versionen (…)”
Ja, die gibt es – und zwar auch bei Musik. Der Play-Button bei Amazon und Co ist nicht nur zu Dekozwecken dort. Wie bei allen Beispielen, die hier angebracht wurden: Der Unterschied ist die freie Wahl der Person, die etwas geleistet und damit geschaffen hat.
April 26th, 2012 @ 20:42
Lieber Linus,
meine Logik war nicht, dass sich Leute bereichern, weil sie nichts zahlen. Sondern dass es etwas Verwerfliches ist, *gegen den Willen* der Person, die etwas geleistet hat, über dessen Leistung zu verfügen – ohne zu bezahlen oder wenigstens zu fragen.
Ich wiederhole es auch gerne für dich: Bei all deinen Beispielen ist der Unterschied die freie Wahl des Urhebers, was er mit seinem Werk macht. Diese nicht zu respektieren ist falsch – egal, wie man es sich schön redet. Und egal wie viele Ausreden man dafür findet.
April 26th, 2012 @ 21:56
Tja Patrick, nur leider ist es so, dass ich im Laden den Urheber vorher schlecht fragen kann, ob ich mir dank seiner unendlichen Gnade mal seine CD probeweise anhören darf.
Und wenn die CD erst gar nicht im Laden verfügbar ist, und ich auch 30sec Clips in Onlineshops wenig aussagekräftig finde (fullstreams sind ja leider immer noch eine Ausnahmeerscheinung), dann lade ich mir das Teil testweise runter, um zu schauen, ob’s was taugt. Wenn nicht, geht’s in Ablage P. Wenn ja, wird es gekauft. Im ersten Fall hat niemand einen Verlust, im zweiten der Musiker einen Gewinn (wenn auch deutlich kleiner als sein Verwerter).
Aber dank Leuten wie Dir, dank dieser starrsinnigen wie realitätsfremden “jede Kopie = 1 entgangener Kauf = Diebstahl”-Argumentation ist dieser von mir beschriebene Vorgang natürlich höchst verwerflich und kriminell. Nein, sage ich, er ist zeitgemäß, und wer mich im digitalen Zeitalter immer noch in analoge Passformen pressen will, kann nicht mit meiner Unterstützung rechnen.
Wenn ein Urheber partout nicht will, dass die Leute sein Produkt vor dem Kauf testen, dann soll er damit bleiben wo er ist, aber bloß nicht an die Öffentlichkeit gehen. Kein Urheber wird zum Urheben gezwungen, und die Öffentlichkeit ist nur wegen der ganzen Urheberei noch lange nicht in irgendeiner Bringschuld.
Es wird ja immer gesagt, im Netz gelten die gleichen Regeln, wie in der realen Welt. Genauso ist es: In der realen Welt kauft auch niemand Produkte, die er vorher nicht irgendwie ausprobieren konnte. Die sprichwörtliche Katze im Sack weiß das ganz genau. Und falls Du das noch nicht wusstest: Gekaufte mp3s kann man nicht mehr zurückgeben oder umtauschen. Also genau das gleiche, was schon seit Jahren auch auf CDs und DVDs zutrifft. Drei mal darfst Du raten warum, und drei mal überlegen, ob es nicht doch berechtigte Gründe für das ach so kriminelle Verhalten gibt.
April 26th, 2012 @ 22:17
“Aber dank Leuten wie Dir, dank dieser starrsinnigen wie realitätsfremden “jede Kopie = 1 entgangener Kauf = Diebstahl”-Argumentation ist dieser von mir beschriebene Vorgang natürlich höchst verwerflich und kriminell.”
Ab diesem Punkt ist dann endgültig klar, dass es sich nicht lohnt mit dir zu diskutieren. Ich unterstütze die “entgangener Kauf”-Theorie nämlich nicht – und habe das auch nie gesagt.
Das macht die Einstellung aber nicht richtiger: “Wenn die mir nicht mehr als die 30 Sekunden geben, dann nehm ich es mir halt.”
Herzlichen Glückwunsch.
April 27th, 2012 @ 15:03
Langfristig wird das Konzept mit der freiwilligen Bezahlung nicht funktionieren.
Nur wenige sind bereit ein Entgelt für etwas zu zahlen, was gratis und legal verfügbar ist. Ich kenne kein Produkt/Branche die auf einer solchen Basis ein Unternehmen mit wirtschaftlicher Ausrichtung basiert.
Und schon gar nicht die Open Source-, Free- und Shareware-Software. 99% dieser Projekte haben ein aus ausgeklügeltes Businessmodell: zahlungspflichtiger Support, kostenpflichtige Zusatzfunktionen, Werbeeinblendungen oder zeitlich begrenzte Nutzdauer. Alles Elemente welche psychologischen Druck auf den Konsumente ausführen.
Bei Musik, Literatur oder Bildern fehlen all diese Elemente. Der Konsument hat keinen Grund wieso er eine Zahlung tätigen soll. Ausser vielleicht aus Mitleid. Ein schlechtes Gewissen, welches wir heute noch haben, wir es ja in Zukunft nicht mehr geben.
Dass das freie Kopieren ein breitere Kundschaft bringen soll ist Blödsinn. In der heutigen Situation mag das stimmen, wo freiverfügbare Musik als Business Modell zu verstehen ist. (Eigene Community, Plattformen, etc) In Zukunft ist aber JEDE Musik, Literatur oder Bilder frei verfügbar. Business Modell «gratis kopieren» ade – ab jetzt nur noch Zustand gratis.
Ich sehe ein, dass das Urheberrecht einer dringenden Überarbeitung bedarf. Realität und Gesetz müssen angeglichen werden. Aber bei der Überarbeitung muss ein vollständiges Szenario diskutiert werden. Die Umstellung des Urheberrechts stellt den gesamten Markt vollständig auf den Kopf. ALLE bestehenden Businessmodelle können entsorgt werden. Keins funktioniert mehr. Also heisst es neue Businessmodelle entwickeln. Bis heute aber habe ich noch keinen vernünftigen Vorschlag gehört.
Doch, einen hätte ich! Wir bauen Werbung in den Liedern ein: gesungene Product Placement. Es könnte aber auch der Jingle der Swisscom hinein interpretiert werden. Beethoven würde sich sicher gut dafür eignen.
April 27th, 2012 @ 17:27
An alle, die von der Abschaffung des Urheberrechts sprechen – habt ihr euch schon überlegt, dass das Urheberrecht mal ganz anders gedacht war als es heute ist? ZB galt eine Urheberrechtsdauer von 14 Jahren, danach konnte man die Frist freiwillig nochmal um 14 Jahre verlängern. Das Urheberrecht hatte das Ziel, dass mehr geschaffen wird. Und es hatte nicht das Ziel, sowas wie eine Einkommensgarantie oder Verwertungsgarantie zu schaffen.
Falls eine Änderung eines Urheberrechts dazu führt, dass mehr erschaffen wird, ist es eine gute Änderung und geht viel mehr auf die Wurzeln des Urheberrechts zurück, als die Idee, dass geistiges Eigentum ein Eigentum ist so wie man auch ein Auto besitzen kann.
Ich kann jedem das Buch “Free Culture” von Lawrence Lessig empfehlen, ich kann hinter den allermeisten seiner Ideen stehen. Gibts hier als PDF http://www.fosdoc.de/downloads/OSP_lessig_freiekultur.pdf (oder im Buchhandel als hübsches Buch).
April 27th, 2012 @ 17:44
@Andy Prinz “Bezüglich Rapidshare und Konsorte erspare ich mir jeglichen Kommentar. Dies ist einfach nur verwerflich und inakzeptabel – und deshalb stimme ich Dir hier 100% zu.”
Deshalb hat RapidShare ja auch den Industriepreis gewonnen und ist laut dem letzten Gerichtsentscheid in seiner Aktuellen Form Schützenswert und kann bezüglich des Geschäftsmodells nicht weiter angeklagt werden, ja wird sogar bekräftigt das es mehr wie jede andere Firma in der Branche gegen den Missbrauch tut?
Was User damit machen und was diese Schweizer Firma für ein Geschäftsmodell anbietet ist meiner Meinung nach 2 Paar Schuhe!
April 29th, 2012 @ 22:49
Hey Karsten
Ein “Geschäftsmodell”, welches darauf beruht, mit Content Dritter (ohne Einholung einer Lizenz) Geld zu verdienen, ist kein Geschäftsmodell.
RapidShare ist übrigens erst in der Schweiz, seit es gerichtlich in Deutschland zu eng wurde. Das sagt alles. Ergo ist dies für mich keine richtige Schweizer Firma. Die könnten auch gleich aus der Karibik oder so operieren.
Kannst Du mir mal erläutern, was RapidShare gegen Missbrauch unternimmt…? Ich spreche aus Erfahrung und sage Dir – “NICHTS!”. Erst nach Abmahnung geschieht etwas. Solange dort keine Filter eingebaut werden, wird auch nichts gegen Missbrauch unternommen – period!
April 30th, 2012 @ 01:22
Hallo Andy,
“Ein “Geschäftsmodell”, welches darauf beruht, mit Content Dritter (ohne Einholung einer Lizenz) Geld zu verdienen, ist kein Geschäftsmodell.”
Das Geschäftsmodell von RapidShare ist es, unkompliziert Speicherplatz im Internet zu Hohen Geschwindigkeiten anzubieten mit einer niedrigen Eintrittsbarriere.
Was du dort als Geschäftsmodell siehst, ist weder mit den Zielen der RapidShare AG vereinbar, noch von der Geschäftsführerin A. Zwingli ( Zwingliismus, schonmal davon gehört? Definitiv keine Deutsche ;) )
“RapidShare ist übrigens erst in der Schweiz, seit es gerichtlich in Deutschland zu eng wurde. Das sagt alles. Ergo ist dies für mich keine richtige Schweizer Firma. Die könnten auch gleich aus der Karibik oder so operieren.”
Deutsche Erfindung ja. Es ist so das A.Zwingli mit C. Schmid, erfinder von RS, schon in RS.de Zeiten zusammen war – und ein Umzug in die Schweiz war nicht wegen Gerichtlichen Geschichten! Und ja – die gerichtliche Situation in der Schweiz ist der Deutschen diesbezüglich sicherlich einiges vorraus.
Die letzten Deutschen Urteile vom OLG wurden nicht umsonst von Seiten RapidShare als Sieg gefeiert. Siehe dazu z.B.: http://www.presseportal.de/pm/64910/2224172/olg-hamburg-bestaetigt-legalitaet-von-cloud-hosting-diensten-rapidshare-wertet-urteil-als-erfolg
Des weiteren Empfehle ich diesen Link noch: http://www.presseportal.de/pm/64910/2224172/olg-hamburg-bestaetigt-legalitaet-von-cloud-hosting-diensten-rapidshare-wertet-urteil-als-erfolg
“Kannst Du mir mal erläutern, was RapidShare gegen Missbrauch unternimmt…? Ich spreche aus Erfahrung und sage Dir – “NICHTS!”. Erst nach Abmahnung geschieht etwas. Solange dort keine Filter eingebaut werden, wird auch nichts gegen Missbrauch unternommen – period!”
Es stand bereits in dem Text drinnen den ich oben verlinkt habe.
Eine ca 16 Mann große Truppe durchforstet das Internet nach Verdächtigen Inhalten und entfernt diese. Dies geschieht mit Wortfiltern, Crawlern, aber eben auch Manuell durch die Mitarbeiter. In einem anderen Text aus dem März von Frau Zwingli führte sie dies ebenfalls weiter aus. Wenn du aus eigener Erfahrung sprichst, dann wirst du damit wahrscheinlich ein eher “No-Name” bzw “Unbekanntes” Produkt meinen welches wohl kaum rentabel ist zum Suchen – welches von dem Marketing der Forennutzer die es veröffentlichen sicherlich eher noch profitieren wird als Schaden zu nehmen ( Oh wie haben 3 CDs weniger verkauft dafür aber 100 neue Hörer gefunden von dennen 33 vielleicht auf ein Konzert von uns gehen werden und 20 vielleicht eine CD in Zukunft kaufen werden – welch ein Wirtschaftlicher Schaden! ).
Eine Abmahnung ist wohl das letzte Mittel – Abuse@rapidshare.com Kontaktieren wird dir sicherlich helfen – ich spreche da aus Erfahrung das es keine 24h geht das du eine Antwort kriegen wirst von dem fähigen Team dort.
Kannst mir ja gerne noch ne E-Mail schicken, vllt hast du Dennis ja im fb drin und findest mich dort sicher über ihn ;)
Gruß,
Karsten
May 1st, 2012 @ 21:23
[...] momentan diskutiert werden. Einen spannenden, eifrig kommentierten Blogeintrag hat Denis Simonet hier [...]
May 2nd, 2012 @ 22:25
[...] abschaffen oder vielmehr reformieren möchte, ist bereits ausführlich debattiert worden. Bei Denis Simonet, der (Achtung, Piratenmetapher) auf der Brücke der Schweizer Piratenpartei tätig ist (war [...]
May 7th, 2012 @ 15:00
[...] der Schweiz und nun deren Pressesprecher verwies mich für ein Statement auf seinen Blogeintrag Das Internet ist kein Nazi-Regime, in welchem er direkt auf einen polemischen Blogeintrag des Schweizer Rappers Gimma antwortet. [...]
May 26th, 2012 @ 17:36
[...] Hartwig von der Digitalen Allmend hat auf meinen Beitrag «Das Internet ist kein Nazi-Regime» einen interessanten Kommentar geschrieben: Es muss ein für [...]
May 31st, 2012 @ 12:52
[...] Blogbeitrag «Das Internet ist kein Nazi-Regime» (Antwort auf Gimmas offenen Brief an mich und die [...]
July 4th, 2012 @ 22:29
[...] Und nicht vergessen: Das Internet ist kein Nazi-Regime. [...]
December 23rd, 2012 @ 21:56
[...] Das ist schade, denn das Internet führt eindeutig vor Augen, dass im Reich der digitalen Kopie nicht die gleichen Regeln gelten wie etwa im CD-Laden oder im Kino. Immaterialgüterrechte als Eigentumsrechte zu verstehen, also immaterielle Güter einem Auto oder Apfel gleichzusetzen, funktioniert nicht. [...]