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Der Untergang der Buchhändler?

10.01.2012 | 86 Kommentare

Als ich den NZZ-Artikel mit dem Titel «Das Buch ist keine Ware, sondern ein Wert» sah, dachte ich mir: Oh nein, welchen Unsinn erzählen die Verlage jetzt schon wieder über die Buchpreisbindung? Dann ging es auch direkt weiter mit der Schliessung des Travel Book Shops. Ein tragischer Umstand mit einem grossen Verlust an Know-How. Umso überraschter war ich, als Gisela Treichler zu Wort kommt und mit keinem Wort den Buchpreis erwähnt. Ihr gehört der erwähnte Shop und sie sieht sich als Opfer des «Strukturbereinigungsprozesses». Die NZZ schreibt:

Da geht es ja auch um Bezugsvolumen bei den Verlagen, die von der eigenen Grösse abhängen, sodann um ein vielseitiges Sortiment auch mit Raritäten. Das Geschäft mit Landkarten rentiere schon lange nicht mehr. Auf Weltkrisen wie Sars oder die Vogelgrippe reagiere ihr Segment besonders empfindlich. Der Zerfall des Euro habe ihr zusätzlich zu schaffen gemacht.

In erster Linie geht es also um fehlende Nachfrage und äussere Faktoren, wovon auch andere Branchen betroffen sind. Bei jedem HaNb (a,b in N) wird Panik geschoben, die Leute wollen weniger reisen und folglich auch keine Reisebücher kaufen. Pech für die darauf spezialisierte Buchhändlerin. Mit dem Buchpreis hat die Schliessung des Buchladens aber nichts zu tun.

Doch leider wird am Ende des Artikels doch noch mit der Tränendrüsenkeule geschwungen. Ricco Bilger, selber Buchhändler, vertritt die Meinung, «eine kompetent geführte Buchhandlung mit einem gut sortierten Spezialsegment habe durchaus Chancen.» Er verzeichnete die letzten Monate sehr starke Umsätze und freut sich über eine junge Kundschaft. Trotz florierendem Geschäft beschwört er den Untergang des Buchhandels herauf, wie man am Beispiel England sehe. Dort gebe es nach 10 Jahren ohne Buchpreisbindung nur noch einen Fünftel der Buchhandlungen. Was an dieser Stelle etwas verdeckt wird: Auch in der Schweiz gibt es seit 5 Jahren keine diktierten Buchpreise mehr. Denn diese sind ein Kartell und Kartelle sind schlecht für die Konsumenten. Wir stimmen am 11. März also nicht darüber ab, ob wir die Buchpreisbindung behalten wollen sondern ob wir sie 5 Jahre nach deren Abschaffung wieder einführen wollen.

Bei seiner Argumentation begeht Herr Bilger ausserdem einen mathematischen Anfängerfehler: Man kann bei einer Implikation nicht auf das Gegenteil schliessen. Wenn in Grossbritannien ohne Buchpreisbindung viele Buchhandlungen schliessen heisst das natürlich keinesfalls, dass mit fixen Buchpreisen keine Buchhandlungen eingehen.

Wir befinden uns immer noch in einem fundamentalen Wandel der Gesellschaft. Leider findet Frau Treichler, dass E-Boks schön gebundene Bücher nicht ersetzen können und auch Herr Bilger sieht in E-Books höchstens eine vorübergehende Begeisterung. Die Buchindustrie begeht gerade denselben Fehler wie damals die Musik- und Filmindustrie: Sie will den natürlichen Lauf der Dinge durch Gesetze aufhalten. Eine gefährliche Entwicklung! Denn Amazon verkündete laut Spiegel schon Mitte 2010 den Sieg der E-Books:

Amazon habe in den letzten drei Monaten pro 100 Hardcover-Bücher 143 Kindle-E-Bücher verkauft. Das Verhältnis verschiebe sich immer weiter zugunsten digitaler Versionen: Im letzten Monat kamen auf 100 gebundene schon 180 digitale Bücher. In der ersten Hälfte 2010 habe Amazon drei Mal mehr E-Bücher verkauft als in der ersten Hälfte 2009. Der Kindle habe sich millionenfach verkauft. Kurz: Das elektronische Lesegerät ist ein Wahnsinnserfolg; Offline-Buchhandel, schnall’ dich fest an!

Statt das Medium Internet für sich zu nutzen versucht die Buchindustrie zu retten, was vor 50 Jahren angesagt war. Warum nicht das alte mit dem neuen kombinieren? Oder wie es der Spiegel schreibt: Offline-Buchhandel, schall’ dich fest an! Ich würde mich liebend gerne von Buchhändlern beraten lassen. Doch im Informationszeitalter bin ich nicht bereit, dafür extra in eine Buchhandlung zu fahren. Eine übersichtliche Website ist doch nicht zuviel verlangt – da müssen auch gar nicht unbedingt E-Books angeboten werden. Ein Chat für Beratungsgespräche wäre auch schon was. So könnte ich eine Bestellung inklusive Verkaufsgespräch bequem von zu Hause aus abwickeln und gehe nicht vergebens in eine Buchhandlung. Bei guter Beratung wäre ich dann auch bereit, das Buch im Laden abzuholen, sobald es da ist.

Wer auf die Bedürfnisse der Kundschaft eingeht wird keine Probleme haben, weiter zu existieren – auch ohne Buchpreiszwang und ohne staatliche Rettungsversuche. Also denk daran: Sag am 11. März 2012 NEIN zur Buchpreisbindung. Für Innovation und Zeitgeist. Ich empfehle zu diesem Thema auch unseren neuen Podcast bei parrot.fm » Im Fokus. In dieser Folge sagen viele Mitglieder des Komitees «NEIN zu teuren Büchern» ihre Meinung. Hör rein, es lohnt sich!

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  1. Buchpreisbindung? Nicht mit uns!
  2. Mit Ex Libris gegen die Buchpreisbindung
  3. Gute Nacht, Schweizer Buchmarkt!

Kommentare

86 Responses to “Der Untergang der Buchhändler?”

  1. Patrick S.
    January 10th, 2012 @ 12:56

    Eigentlich machen die Verlage einen ähnlichen Fehler, wie die Gegner der Buchpreisbindung. Sie betrachten alles sehr einseitig und haben kein Fingerspitzengefühl im Umgang mit der anderen Seite. Wenn du nämlich die Sorge eines Buchhändlers (fehlende Buchpreisbindung sei langfristig schlecht fürs Geschäft) als mathematischen Anfängerfehler abtust, betrachtest du nur die halbe Wahrheit. Und lässt völlig außen vor, dass hinter den Verlagen und dem Buchhandel Menschen mit ganz realen Existenzängsten stehen. Denn wenn du auf der anderen Seite schreibst: Wenn es eine Internet-Seite gäbe, auf der du dich richtig informieren kannst, würdest du zwar nicht in den Laden gehen um dich zu informieren, wohl aber um das Buch abzuholen, bist du es, der ihre Ängste untermauert. Wenn nämlich nur ab und an ein Kunde vorbei kommt, der ein Buch bestellt hat, lohnt es nicht mehr einen Buchladen den ganzen Tag zu öffnen. Und wenn man das nicht mehr kann, verliert man die Spontankäufer, die, wenn sie eh schon in der Stadt sind, vorbei schauen. Da geht ganz real Umsatz flöten, der unter Umständen Sorgen rechtfertigt. Zudem neigen Menschen dazu, nur so wenig wie nötig zahlen zu müssen. Sieh dir doch an, wie erfolgreich Discounter in anderen Bereichen sind. Dass auch das Auswirkungen auf das Ladengeschäft hat, dürfte wohl klar sein, mathematische Anfängerfehler hin oder her.

    Und letztlich ist es gerade zu zynisch dem Buchhandel mit Amazon eBook-Verkaufscharts zu kommen. Letztlich bestehen die nämlich zum Einen aus den Werken der Verlage, die mit Buchpreisbindung verkauft werden, und einer großen Masse an Ramschware von Einzelpersonen. Bücher im 99-Cent-Bereich, die in ihrer Qualität deutlich zu wünschen übrig lassen, aber trotzdem gekauft werden, weil es so günstig ist, dass es nicht weh tut. Auf der anderen Seite aber auch nichts erwirtschaften. Und wenn, dann nur für Einzelpersonen, nicht für das was im professionellen Bereich noch an den Büchern hängt.

    Klar, betreiben die Verlage Schwarzmalerei. Aber es hilft, ein wenig über den eigenen Tellerrand zu gucken, und mal zu schauen, wo die Ängste, die dazu führen, eigentlich herkommen.

  2. Denis Simonet
    January 10th, 2012 @ 13:05

    Beim Anfängerfehler wollte ich darauf hinaus, dass man mit Grossbritannien nicht beweisen kann, dass die Buchpreisbindung irgendetwas ändert. Es ist viel wichtiger, dass die Buchhändler mit der Zeit gehen und die Kundenbedürfnisse abdecken. Natürlich wird bei der fehlenden Nachfrage der eine oder andere Laden schliessen müssen. Daran ändern fixe Buchpreise gar nichts.

    Bezüglich Ladenbesuche vergisst du meinen Voschlag, z.B. Beratung per Chat anzubieten. Der Laden ist nicht für nichts offen, wenn der ausbleibende Teil der Kundschaft den Laden online besucht. Ich bin überzeugt, dass eine gute Dienstleistung auch Online dem Umsatz gut tut.

  3. manu
    January 10th, 2012 @ 13:19

    ich stelle mir gerade vor, wie ich mit ausgerüstet mit headset und webcam durch die bücherregale wandere und irgend einem freak, der zuhause in unterhosen vor dem pc sitzt, ein buch empfehle, welches er sich dann trotzdem bei amazon bestellt, weil er schlussendlich doch zu faul ist, um in die buchhandlung zu fahren. ;-)

    aber ich berate in meiner freizeit gerne über twitter (http://twitter.com/mhofstaetter) wenn ich mich nicht um die kundschaft im laden kümmere, denn diese schätzt den persönlichen kontakt sehr. buchtipps finden sich auch auf meinem blog und bestellen dürfen alle, wo sie es für richtig befinden. soviel zu innovation.

    die behauptung, dass bücher teurer werden, ist absolut haltlos. es gibt viele beispiele, wo discounter auf bestsellern grosse rabatte gewähren, das gros der bücher aber einiges teurer angeboten werden, als in unserer kleinen buchhandlung, um ebendiese rabatte wieder reinzuholen. dank der buchpreisbindung ist sichergestellt, dass jedes buch überall gleichviel oder eben -wenig kostet.

    beispiel:
    jonasson, der hundertjährige, der aus dem fenster stieg und verschwand

    thalia: CHF 24.90
    http://www.thalia.ch/shop/jae_start_startseite/suchartikel/der_hundertjaehrige_der_aus_dem_fenster_stieg_und_verschwand/jonas_jonasson/ISBN3-570-58501-8/ID28546282.html?jumpId=932210

    bei uns: CHF 21.90
    http://www.ebookshop.ch/buecherperron/plugins/sbz-online/sbzonline.asp?cmd=detail&artno=11149370

    und ganz zum schluss: qualitativ hochwertige ebooks wollen auch erst geschrieben werden. und dazu braucht es immer noch verlage und das klassische buch. das ebook ist ein nebenprodukt. und ja, das kann sich durchaus ändern. aber wer weiss, ob man ein heute gekauftes ebook auch in zehn jahren noch problemlos lesn kann. ausleihen und verschenken gestaltet sich heute schon als praktisch unmöglich.

    in diesem sinne. auf weiterlesen!

    manu

  4. Patrick S.
    January 10th, 2012 @ 14:10

    Ich weiß, worauf du mit dem Anfängerfehler hinaus wolltest. Ein Dialog ist aber nun mal nur dann zielführend, wenn man nicht nur feststellt, was schlecht ist, sondern auch versteht die andere Seite zu verstehen und ihnen Wege aufzeigt. Das schafft in derlei Diskussionen irgendwie keine der beiden Seiten.

    Und nein, ich hab deinen Vorschlag nicht vergessen. Er ist aber völlig diametral zu dem, was ich gesagt habe. Es ist doch so, dass solche Angebote meist nur von Leuten genutzt werden, die ohnehin schon die Absicht haben ein Buch zu kaufen. Dem gegenüber stehen die Spontankäufer, die eben nicht mit der Absicht ein Buch zu kaufen in die Stadt gehen, sondern beim vorbei gehen merken: “Ach, wie nett, ein Buchladen. Könnt ich ja auch mal reinschauen” und dann eventuell was kaufen.
    Das mag ja nicht die einzige Säule des Händlerumsatzes sein, aber sicherlich macht die doch einen gewissen Anteil aus.
    Und doch: Hier macht Buchpreisbindung einen Unterschied. Wenn sie weg ist, muss man plötzlich ganz anders agieren, um konkurrieren zu können. Das bedeutet fast zwangsläufig Schließungen und mit den Schließungen fallen mehrere Umsatzsäulen weg. Die Spontankäufer einerseits, Leute die lieber im Laden kaufen andererseits. Das man das durch ein Online-Chat-Angebot ausgleichen kann, wage ich zu bezweifeln – und der Händler vermutlich auch. Als kleiner Händler, die es im Buchbereich durchaus gibt, auf keinen Fall. Als Kette ist man sowieso schon mit bekannten Online-Angeboten vertreten, die im Übrigen Teile dessen was du gerne hättest (Buch bestellen und im Laden abholen) schon längst erfüllen.

    Nebenbei, ich stehe der Buchpreisbindung selbst auch kritisch gegenüber, zumindest soweit sie auch eBook-Ausgaben betrifft. Ich vermisse nur immer das besagte Feingefühl.

  5. Patrick S.
    January 10th, 2012 @ 14:14

    Zu erwähnen sei vielleicht auch noch, dass die Veränderungen, auf die der Buchvertrieb sich deiner Meinung nach gefälligst einzustellen hat, auch beinhalten, dass ihr angebotenes Produkt insgesamt an Popularität verliert. Dass sie damit zusätzlich kämpfen, heißt aber gerade nicht, dass sie nicht an anderen Stellen trotzdem Angst um ihre Existenz haben dürfen. Im Gegenteil: Sie wissen davon und das zwingt sie dazu eine noch steifere Haltung zu haben.
    Für so Informatiker, wie uns, ist es ja auch einfach ihnen vorzuwerfen, dass sie altbacken wären. Die Lösungen, die wir ihnen vorzuschlagen haben, passen aber nicht zu ihrem Gewerbe.

  6. Denis Simonet
    January 10th, 2012 @ 16:24

    @manu Muss ja nicht gleich Voice oder Bild sein, Textchat würde ja reichen :). Wenn ich eine Buchhandlung um die Ecke hätte die einen solchen Dienst anbietet würde ich den bestimmt nutzen – vorausgesetzt, ich will eine Beratung.

    Folge dir nun auf Twitter, finde ich super was du tust. Ich sehe aber keinen Vorteil darin, wenn die Bücher überall gleich viel kosten. Ist doch super, wenn es Wettbewerb gibt. Und zum Wettbewerb gehört vor allem die Dienstleistung drum rum. Wenn die Bedienung stimmt gucke ich gar nicht auf den Preis. Nur wenn ich auf das drum rum verzichten kann, z.B. weil eine Vorlesung auf genau einem Buch aufbaut, dann will ich möglichst wenig für das Buch bezahlen. Dann gehe ich zum Discounter und will nur das Papier mit schwarzen Buchstaben bezahlen.

  7. Denis Simonet
    January 10th, 2012 @ 16:32

    @Patrick Du hast recht: Ich verstehe die Befürworter der Buchpreisbindung nicht. Meine Überlegungen sind meine persönliche Sicht auf das ganze und ich hoffe aufgrund der Reaktionen Einsicht in die andere Seite zu erhalten. Das wirst du auch im verlinkten Podcast hören: Ich habe nach Argumenten gesucht, die dafür sprechen. Und ich würde auch gerne verstehen, womit es die Buchhändler schwer haben. Nur sehe ich aktuell eigentlich nur einen Fakt: Kaum eine kleine Buchhandlung führt eine ansprechende Onlinepräsenz. Und dann lese ich noch, dass E-Books unwichtig seien. Klar ist Amazon ein Riese, aber mit diesen Statistiken im Hinterkopf kann man ja wohl kaum von einem vernachlässigbaren Bedürfnis der Konsumenten sprechen.

    Die Welt verändert sich, daran gibt es nichts zu rütteln. Da muss es doch Möglichkeiten geben, sich anzupassen. Strukturerhaltung kann nicht funktionieren. Deshalb schlug ich ja auch vor, altes mit neuem zu kombinieren. Je besser die Onlinepräsenz je eher gibt es neue Kunden. Online passiert das nämlich auch: Bei ansprechender Präsentation des Onlineshops wird man sicher mal rumgucken und vielleicht spontan etwas bestellen. Habe ich heute mit einer CD von The Piano Guys getan.

    Wichtig ist auch: Wir haben zur Zeit keine Buchpreisbindung. Seit 5 Jahren nicht. Wir reden also nicht darüber, sie abzuschaffen. Wir reden darüber, sie wieder einzuführen.

    Übrigens beinhaltet das geplante Buchpreisbindungsgesetz keine eBooks.

  8. manu
    January 10th, 2012 @ 16:39

    glaube mir, um jemanden zu bezahlen, der noch den ganzen tag zeit hat zu chatten und onlineberatung zu bieten, das liegt einfach nicht drin. ausserdem ist chatten ja sowas von 2005. ich folge zurück…

    apropos wettbewerb: wenn es das gleiche buch in verschiedenen verlagen geben würde, dann konnte man von wettbewerb reden. aber ein bestimmtes buch gibt es, wenn auch in verschiedenen formen (hardcover, taschenbuch, hörbuch, ebook), nur bei einem verlag. der hersteller hat also so oder so das monopol. der zwischenhandel (verteilerzentrum) kauft bei diesem verlag ein, wie auch die buchhandlungen selbst. da wird nie ein echter wettbewerb entstehen können. mit der buchpreisbindung haben aber alle buchhandlungen die gleichlangen spiesse und können sich durch innovation und beratung hervorheben, wenn sie nicht eine migros im rücken haben, die durch zuviel rabatt entstandene defizite deckt. womöglich durch den verkauf von überteuerten spirituosen im denner. ;-))

  9. Denis Simonet
    January 10th, 2012 @ 17:14

    Naja, Chatten gab es sogar schon vor dem WWW (1991) :). Aber grundsätzlich habe ich die kleinen Buchhandlungen so verstanden, dass immer weniger Leute die Buchhandlung besuchen. Es sind also Kapazitäten frei, die früher mit Beratung im Laden besetzt waren. Können diese nicht einfach auf Online-Beratung gesetzt werden? Das ist ja auch auf Abruf, wird ja nicht jede Minute jemand was fragen. Aber Auskunft von einer Fachperson hat natürlich einen grösseren Wert als einzelne Besucher-Rezensionen. Und wer sich so beraten lässt und dann woanders bestellt ist einfach nur asozial. Das Problem gibt es aber bestimmt auch bei Beratungen vor Ort – vor allem wenn in der Nähe ein Thalia oder Lüthy steht.

    Ja, ein Buch ist sicher kein Joghurt. Ehrlich gesagt kenne ich mich nicht so gut aus mit dem Buchhandel, aber die Buchpreisbindung bedeutet ja, dass der Verlag am Schluss den Endpreis bestimmt und auch entscheidet, wieviel davon an die Buchhandlungen geht. Seit mir beim Unterschriftensammeln für das Referendum ein Verleger ins Gesicht gesagt hat, er habe Familie und wolle die Buchpreisbindung, weil er dann mehr Geld verdient, zweifle ich an der Aufrichtigkeit der Verlage, wenn sie behaupten, es gehe ihnen um Buchhändler oder gar Buchautoren.

    Was ich damit sagen will: In meinen Augen geht die Idee hinter einer Buchpreisbindung hinten und vorne nicht auf. Gibt es keine Alternativen, die wirklich was bringen und nicht auf der Idee eines Kartells beruhen?

  10. Patrick S.
    January 10th, 2012 @ 17:21

    Die Gründe für kaum vorhandene ansprechende Internet-Seiten von kleinen Buchläden liegen aber auf der Hand. Und es geht mir, ehrlich gesagt, nicht in den Kopf, wieso man sie in solchen Diskussionen ständig übersieht:

    1. Die Zielgruppe ist eine Andere (Ladengeschäfte sind nun mal per se eher auf Mitnahmegeschäft ausgelegt, als auf Versandhandel)
    2. Die Kosten stehen für einen kleinen Buchladen nicht in der Relation zum Nutzen. Der typische Kunde dieser Geschäfte steht auf persönliche One to One Beratung und die, die das lieber digital wollen, nutzen eh die Großen
    … was zu Punkt 3 führt:
    3. Als kleiner Buchladen ist es kaum möglich, sich gegen Internet-Riesen wie Amazon, BOL und wie sie alle heißen zu positionieren
    4. Wie viele der kleinen Buchladen kennst du, die von Internet-affinen Personen betrieben werden?

    Nun ist es bei euch natürlich tatsächlich so, dass ihr keine Buchpreisbindung mehr habt. Wie viele kleine Buchläden gibt es bei euch denn überhaupt noch? Und von denen: Wie viele davon sind mittlerweile 1-Mann-Betriebe, die sich gerade noch so über Wasser halten?

    Im Übrigen ist das Thema Buchpreisbindung etwas, was nicht nur die Schweiz betrifft, auch wenn ihr euch damit aktuell auseinander setzt und dein Fokus natürlich darauf liegt.

    Und was man auch nicht vergessen darf: Die Buchbranche ist im Gegensatz zur Musikbranche (die ja immer gern als Beispiel heran gezogen wird) eine ohnehin schon stark gebeutelte Branche. Frag mal bei ranwachsenden Generationen, wie viele davon noch regelmäßig Bücher lesen. Ich wette mit dir, die Antworten fallen ganz anders aus, als sie in deiner Schulzeit ausgefallen wären. Was glaubst du, wieviele von denen noch Musik hören? :)

  11. Andreas Von Gunten
    January 10th, 2012 @ 17:33

    @manu
    Das ist doch nicht war, dass durch die Preisbindung alle Buchhandlungen gleich lange Spiesse haben. Je grösser die Buchhandlung und je mehr sie beim Verlag oder beim Grosshändler bestellt, desto tiefer wird der Einkaufspreis liegen. Mit gebundenen Preisen wird die Konzernbuchhandlung einfach fettere Bruttogewinne machen und diese dann einsetzen um die kleinen durch grössere Ladenflächen, teure Serviceleistungen usw. platt zu machen. Die Spiesse sind immer ungleich lang, ob mit oder ohne Preisbindung, das gehört zum Markt. Der kleine hat aber viele andere Vorteile und sollte sich vor allem die Agilität, jederzeit, auch mit dem Preis arbeiten zu können nicht nehmen lassen.

    Ein weiterer Gedanke: Kann es wirklich sein, dass die Interessen der Konzernverlage und Grossbuchhandlungen in dieser Frage dieselben sind wie die der kleinen Buchhandlungen? Das glaubst Du ja wohl selber nicht, dass die Manager der Medienkonzerne aus altruistischen Gründen den kleinen Marktteilnehmer durch ein Gesetz das Leben leichter machen wollen?

  12. Denis Simonet
    January 10th, 2012 @ 20:04

    @Patrick Die Zielgruppe “Passanten” wird kaum Preise vergleichen, eine Buchpreisbindung hat also keinen Effekt darauf. Man kann also höchstens damit argumentieren, dass sich vielleicht mehr Menschen professionell beraten lassen werden. Doch diese Gruppe ist klein und wird auch mit Buchpreisbindung immer kleiner. Der klassische Buchshop, wie du ihn darstellst, wird je länger je mehr verschwinden. Das ist wohl der Punkt, den wir anders sehen: Ich sage, die Buchhändler müssen sich anpassen und eben lernen, mit dem Internet umzugehen. Du sagst, man muss schauen, dass die Läden wie es sie bisher gab bleiben sollen. Meine Meinung: Die Buchhandlungen müssen sich nach der Nachfrage richten und nicht danach, wie es früher war.

  13. Patrick S.
    January 10th, 2012 @ 21:22

    Nichts für ungut, aber dass Passanten keine Preise vergleichen halte ich für Blödsinn.
    Wenn eine Meyersche oder Bertelsman ein Buch für 5 Euro anbieten können, dass der kleine Buchhändler nur für 10 Euro anbieten kann (weil er eben andere Abnahmemengen und somit Konditionen hat) dann spricht sich das schnell rum und hat Auswirkungen.
    Denn wie du weißt sind die Großen ja meist in direkter Nähe. Und ja, der kleine Buchshop wird verschwinden. Was ich als Verlust ansehe, da die Erfahrung zeigt, dass die Kleinen doch die bessere Beratung bieten und Nischen häufiger besser abdecken. So bleibt ja zwangsweise nur das Internet, was seine eigenen Nachteile hat. Und du interpretierst meine Meinung völlig fehl. Ich weiß und sehe es auch kritisch, dass die Buchläden sich nicht anpassen. Aber bei einem traditionellen Produkt wie einem Buch, sehe ich das Internet nur begrenzt als Alternative an, zu dem Mehrwert, den gute Buchläden bieten. Und wenn es den Anfang vom Ende gedruckter Bücher einleitet: Noch schlimmer.

  14. Denis Simonet
    January 10th, 2012 @ 21:58

    Ich sehe das Internet auch nicht als Alternative sondern als Ergänzung, die immer wichtiger wird. Aber um zurück auf die Passanten zu kommen: Wenn ich beim Vorbeigehen in einen Buchladen gehe und dort ein cooles Buch finde kaufe ich es dort und schaue mich nicht zuerst noch im grossen Laden daneben um. Das ist mir dann zu zeitaufwändig für die paar € die ich dabei vielleicht sparen kann. Was anderes ist es natürlich, wenn ich bewusst ein bestimmtes Buch suche. Aber dann gehe ich nicht in einen Buchladen sondern bestelle es im Internet. Wer in dem Fall in Buchläden geht, der wird sich solche Preisunterschiede wohl merken, ja. Aber in dem Fall ist es doch in Ordnung, dass nach dem freien Wettbewerb bei den Läden mit den besseren Konditionen eingekauft wird. Da spielt der Preis sicher eine Rolle, aber nicht nur. Ich verstehe, dass das kleine Buchhandlungen zittern lässt und dass sie dann für die Buchpreisbindung sind. Die Umsätze könnten etwas steigen. Es wird sie aber bestimmt nicht retten, wenn sie nicht mit der Zeit gehen.

    Für mich ist da auch ein sehr zentraler Punkt: Wenn wir eine Buchpreisbindung einführen, warum dann keine Musik-, Film- und Lebensmittelpreisbindung?

  15. Thomas L.
    January 10th, 2012 @ 23:06

    Und noch eine kleine Ergänzung zur aktuellen Situation in der Schweiz. Sie ist (noch) nicht vergleichbar mit der Situation im UK. Wir befinden uns in einem Provisorium. Möglicherweise kommt die Preisbindung ja noch. Und deswegen haben sich einzelne Discounter bisher ja auch noch zurückgehalten.
    Das wahre Ausmass des Fehlens einer Preisbindung wird erst nach der Ablehung sichtbar werden. Nur dass es dann leider zu spät ist, Gegensteuer zu geben.

  16. Patrick S.
    January 10th, 2012 @ 23:07

    Natürlich ist es in Ordnung, dass nach dem freien Wettbewerb bei den Läden mit den besseren Konditionen eingekauft wird. Man muss sich halt nur der Implikationen bewusst sein, die das hat.
    Wo eine “Geiz ist Geil”-Mentalität vorherrscht gehen nun mal zwangsläufig Geschäfte, Arbeitsplätze, teilweise sogar ganze Branchen kaputt. So ist das halt. Das kann man tolerieren, muss man aber nicht. Und meiner Meinung nach sollte man das auch nicht, wenn es um den Schutz kultureller Güter geht.
    Und das ein Schutzbedarf da ist, wirst du doch kaum leugnen können oder? Klar, man kann, darf und sogar sollte sich fragen, ob es Alternativen zur Buchpreisbindung gibt, aber ich finde es ist etwas zu einfach, den Stock zu einer schwächelnden Branche zu werfen und ihr zu sagen: Hol das Stöckchen, mach was damit. Insbesondere dann, wenn man politisch tätig ist. Denn in Zeiten überwiegender Politik-Verdrossenheit würde ich mir wählbare Parteien wünschen. Parteien, die sich *nur* auf das Neue beschränken und dabei das Alte einfach auf der Strecke liegen bleiben lassen werden aber diesem Anspruch nicht gerecht.

  17. Denis Simonet
    January 10th, 2012 @ 23:57

    Inwiefern wird die Kultur geschützt, wenn alle Bücher gleich viel kosten? Für Kulturförderung müssen Autoren gefördert werden. Das werden sie wohl kaum wenn Verleger mehr Geld verdienen… Bisher konnte mir noch keiner der Befürworter aufzeigen, wie genau die Buchpreisbindung positiv für Autoren ist.

  18. Angela K.
    January 11th, 2012 @ 00:24

    Ich habe noch einen weiterfûhrenden Punkt für eure Diskussion.
    Die Buchpreisbindung verhilft einer kultur- und bildungsförderden Branche zum selbsterhalt und eigenregulierung. Ergo wird in einer Zukunft ohne Buchpreisbindung dieser Erhalt noch mehr von Subventionen finanziert werden müssen, siehe Schweden, oder wir verblöden einfach alle. Hinzu kommen die fehlenden Ausbildungs- und Arbeitsplätze in der Schweiz, die mit dem Buchhandels und Verlags sterben einhergehen werden.
    Da zahle ich lieber einen regulierten Buchpreis.

  19. manu
    January 11th, 2012 @ 00:26

    irgendwie reden wir alle aneinander vorbei. hier geht es um buchhandel und buchpreisbindung. also wer wie denis sagen muss, dass er sich ehrlich gesagt nicht so gut auskennt mit dem buchhandel, der soll sich doch zuerst einmal schlau machen um was es denn überhaupt geht.

    es ist ein komplexes gebiet und kann nicht mit einfachen parolen und behauptungen abgehandelt werden. der buchhandel ist ein spezieller markt und weder mit socken- noch müeslihandel vergleichbar.

    @denis … und wieso müssen befürworter aufzeigen, wieso die buchpreisbindung positiv für autoren ist? hey, verlage bezahlen autoren. und wenn dank buchpreisbindung unter dem strich auch mal dank einem bestseller mehr geld vorhanden ist, dann kann ein verlag damit auch autoren fördern (vorschuss) und verlegen, welche den weg zum buch sonst nie schaffen würden. so einfach.

    und jetzt alle schreien: ich bezahle mit meinem buch nicht einen autor, den ich nicht lesen möchte. setzen. nichts begriffen.

    dennoch, zugegeben, spannende diskussion. bin aber gerade müde von all dem erteilten nachhilfeunterricht ;-)

    deshalb:

    mehr infos auf: http://www.ja-zum-buch.ch
    argumentarium: http://www.ja-zum-buch.ch/wp-content/uploads/2011/12/Argumentarium_lang.pdf
    gesetzestext: http://www.admin.ch/c​h/d/ff/2011/2703.pdf

    @Angela danke, du hast es begriffen. wir werden verblöden!

  20. Andreas Von Gunten
    January 11th, 2012 @ 08:09

    @Angela
    Das Branche durch die Preisbindung in Selbstregulierung Kulturförderung betreibt ist ein weiteres Märchen, dass von den Verlagen verbreitet wird, aber in den meisten Fällen nicht stimmt.

    Jedes einzelne Buch muss sich bei den Verlagen rechnen. Wenn der Verlag ein Buch machen will, welches “gefördert” werden muss, dann verlangt der Verlag diesen “Förderbeitrag” in der Regel vom Autor. Und ich spreche hier nicht von billigen Zuschussverlagen. Das war offenbar schon in den guten Alten Zeiten eines Samuel Fischer so.

    Diese Förderbeiträge kommen schon heute von Stiftungen und der öffentlichen Hand. Die Buchpreisbindung wird keinem einzigen Autor der gefördert werden möchte auch nur einen zusätzlichen Franken bescheren, sondern einzig die Gewinne der Medienkonzerne maximieren.

  21. Patrick S.
    January 11th, 2012 @ 09:11

    @ Dennis
    Das war zwar gar nicht der Punkt, auf den ich hinaus wollte, aber eigentlich ist die Antwort auf deine Frage einfach:
    Ohne Geld kann ein Verlag nicht arbeiten und somit auch keine Autoren fördern.

    Fakt ist, dass die Umsatzzahlen im Buch-Bereich ohnehin rückläufig sind. Ob die Buchpreisbindung daran etwas ändert? Nun, wenn man davon ausgeht, dass eine Buchpreisbindung fördert, dass auch kleine Verkaufsstellen eine Chance haben, wird das wohl über die höhere Anzahl von Verkaufsstellen durchaus auf den Absatz wirken. Ein Beispiel, wieso das so ist, hatte ich ja schon geliefert.

    Wie meinst du denn, soll der Verzicht auf eine Buchpreisbindung den Autoren zu Gute kommen? Ich sage, in einer Branche, in der der Autor ohnehin nur 10-15% des Netto-Verkaufs-Preises bekommt, wird der fehlende Umsatz, wenn die ersten Discounter da sind, das Schreiben eines Buches noch mal uninteressanter machen.

  22. Patrick S.
    January 11th, 2012 @ 09:24

    Aber was rede ich mir den Mund fusselig: Wie ihr das in der Schweiz mit der Buchpreisbindung handhabt kann mir im Endeffekt egal sein.
    Nur, wenn man die buchpreisbindung-nein.ch Initiativ-Seite sieht, wird klar, dass es der Initiative hauptsächlich um den Konsumenten geht und zwar ausschließlich über den Geldbeutel. Das ist IMHO extrem kurz gedacht.

  23. Florian Pankerl
    January 11th, 2012 @ 11:10

    Also für mich persönlich muss ich Frau Treichler in dem Punkt recht geben, dass “E-Boks schön gebundene Bücher nicht ersetzen können”, ich habe ein Buch lieber auf totem Holz als in digitaler Form.
    Und in eine Buchhandlung geh ich auch gern mal, weil man da außer dem was man sucht oft noch ein anderes interessantes Buch findet, auf welches man bei Amazon & Co. nicht einfach mal zufällig gestoßen wäre.

  24. Patrick S.
    January 11th, 2012 @ 13:05

    @ Florian
    Das mit der Buchhandlung geht mir genauso. Selbst die großen Portale wie Amazon sind auch echt schlecht organisiert, um ein Buch zu finden, das einen interessieren könnte, von dem man aber noch nicht weiß. Mit Titel suchen kein Ding. Aber stöbern? No way. Vermutlich auch der Grund, weshalb ich von den Hunderten von Büchern, die ich in den letzten Jahren gekauft habe, maximal ein Zehntel online bestellt habe.

  25. Christian
    January 11th, 2012 @ 14:25

    Es ist kaum unverfroren, anzunehmen, dass sich der Buchmarkt ähnlich wie der Musik- und Film-Markt entwickeln wird: Der Inhalt zählt immer mehr, das Medium, mit welchem er trans-portiert wird, immer weniger. Die CD/DVD ist nahezu verschwunden, dem Taschenbuch pro-phezeie ich das selbe Schicksal. Buchhandlungen werden (mit oder ohne Buchpreisbindung) grösstenteils verschwinden. Einzig diejenigen, welche sich, auf welche Weise auch immer, auszeichnen können, haben eine Überlebenschance.
    Und bei den möglichen Auszeichnungen sehe ich die Beratung auch nur in einer Nebenrolle. Ich verlasse mich lieber auf spezialisierte Rezensions-Sites, von denen ich aus Erfahrung weiss, dass sie meinen Geschmack treffen.
    Das Buch wird zum Nischen- (eg Bilderbände, Kinderbücher) und Sammlerprodukt (Sonder-editionen, schöne Einbände, gutes Papier, signierte Ausgaben…).
    In dieser Konstellation Energie auf die Wiedereinführung der Buchpreisbindung aufzuwenden, erscheint mir da doch etwas verschwenderisch.

  26. Denis Simonet
    January 11th, 2012 @ 20:25

    @manu Natürlich geht es dir um den Buchhandel und da ich nicht so viel Ahnung davon habe kann ich nicht mitreden, wenn es darum geht, wie Bücher über Verleger in die Büchereien kommen. Das ist aber auch gar nicht notwendig, denn das Ziel einer staatlichen Regulierung darf nicht sein, irgendwelche Firmen oder Läden zu retten um der Rettung Willen. Es muss ein höheres Ziel da sein. Und so hart es ist, wegen den armen Buchhändlern die dann ihren Job verlieren ist ein derartiger Eingriff bestimmt nicht gerechtfertigt. Also ist es sehr wohl die Aufgabe der Befürworter, aufzuzeigen, warum eine Buchpreisbindung Kultur fördert. Oder welchem anderen höheren ZIel sie dienen soll. Mir erschliesst sich das nicht. Und ich bin schon lange auf der Suche nach einem schlüssigen Argument für die Buchpreisbindung.

  27. Denis Simonet
    January 11th, 2012 @ 20:41

    @Flo Es gibt aber viele, die kaufen (fast) nur noch E-Books. Ich bin mir sicher, dass sich dieser Trend fortsetzen wird. Deshalb halte ich es für voreilig, aus der subjektiven Einstellung “E-Books ersetzen die Hardcover-Bücher nicht” zu schliessen, dass man das Internet getrost beiseite lassen kann.

    Ich will nochmal erwähnen, dass die Musikindustrie in den 90er-Jahren MP3-Player und später das Internet verteufelt hat. Und nun merken sie, dass man die Chance auch nutzen könnte. Viel zu spät. Wenn sich nun alle auf die Buchpreisbindung einschiessen bin ich überzeugt, dass sich die Geschichte mit den Büchern wiederholen wird. Denn die Buchpreisbindung kann Innovation und Zeitgeist nicht ersetzen. Oder denkst du, die Musikindustrie würde mehr CDs verkaufen, wenn eine Musikpreisbindung eingeführt worden wäre?

  28. Patrick S.
    January 11th, 2012 @ 20:44

    Denis, du machst es dir aber auch ziemlich einfach. Du argumentierst nämlich an deinen Gegnern vorbei und tust sämtliche Argumente ab, ohne Gegenargumente vorzubringen.
    Forderst aber gleichzeitig etwas zu rechtfertigen, was in anderen Teilen der Welt völlig selbstverständlich ist.
    In Deutschland etwa gibt es eine Buchpreisbindung und *niemand* denkt ernsthaft darüber nach, sie abzuschaffen. Im Gegenteil: Sogar die Piratenpartei scheint die Auffassung zu vertreten, dass sie zwar novelliert gehört (insbesondere in Hinsicht auf eBooks, die bei uns unter die Regelung fallen) aber grundsätzlich ihre Berechtigung hat.
    Und du magst ja schon lange auf der Suche nach einem schlüssigen Argument für die Buchpreisbindung sein. So wie es aussieht, bist du hier aber sehr betriebsblind. Sprich, du hast die Argumente der Seite, für die du stehst, so verinnerlicht, dass du ein richtiges von einem falschen Argument schon gar nicht mehr unterscheiden kannst. Zumindest wirkt es so.

  29. Denis Simonet
    January 11th, 2012 @ 20:53

    Patrick, es ist nicht die Frage, ob wir die Buchpreisbindung abschaffen wollen. Die Befürworter wollen ein Gesetz, das die Buchpreisbindung überhaupt erst einführt. Ja, ich erwarte von jemandem, der etwas haben will, dass er begründet, warum. Vor allem wenn er etwas gesetzlich vorschreiben will, das zuvor von der Wettbewerbskommission und vom Bundesgericht als Kartell und somit illegal befunden wurde.

    Man macht doch nicht einfach Gesetze aus Spass. Und was die ganze Welt tut ist nicht unbedingt gut. Die Schweiz ist eines der wenigen Länder, in denen Musik saugen legal ist. Finde ich gut! Die Schweiz ist das einzige Land mit einer halbdirekten Demokratie. Finde ich auch gut. Ich sehe nicht ein, sich grundsätzlich an das Ausland anzupassen…

    Die Piratenpartei Schweiz ist übrigens gegen die Buchpreisbindung: http://www.piratenpartei.ch/communique-buchpreisbindung

  30. Thomas L.
    January 11th, 2012 @ 20:54

    Zuerst mal: Danke für die zum Teil hochkarätigen Beiträge. Da wird doch einiges klar dargestellt.
    Und: Natürlich gibt es Argumente für die Preisbindung und ich denke, sie wurden auch schon mehrfach erwähnt. Es schadet aber nicht, sie nochmals zu wiederholen. Das Überleben von möglichst vielen Anbietern sprich “Buchhandlungen” ist deswegen zentral, weil das Buch möglichst viele unterschiedliche Einkäufer, sprich wiederum “Buchhandlungen” braucht. Je weniger EinkäuferInnen es gibt, desto mehr Macht üben sie auf die Produktion der Verlage aus. Das soll die Preisbindung bremsen helfen.
    Ich schreibe absichtlich nicht “verhindern”. Die Preisbindung verhindert das Sterben der Buchhandlungen nicht. Sie bremst sie und gibt den Unabhängigen, die keine Kriegskasse haben, mehr Zeit, sich mit den sich auch sonst rasant verändernden Rahmenbedingungen auseinander zu setzen. Sie bringt möglicherweise KundInnen, die genau wissen, was sie wollen, wieder in das Geschäft um die Ecke zurück. Die Branche ist ökonomisch so angeschlagen, dass diese Umsätze überlebenswichtig sind.
    Und noch dies: Es gilt auch das Cliché zu bekämpfen, der Buchhandel passe sich nicht neuen Gegebenheiten an. In der Schweiz war der Buchhandel eine der ersten Branchen, die Ihre Kommunikation elektronisch abwickelte. Eine so umfangreiche stetig sich verändernde Artikelmenge zu bewirtschaften schafft kaum eine andere Branche.

  31. abi
    January 11th, 2012 @ 21:18

    Ich finde die Diskussion ja eigentlich sehr interessant. Es sieht doch so aus: Per Gesetz soll eine gebeutelte Branche unter “Schutz” gestellt werden. Normalerweise ist man für seine wirtschaftliche Rechnung selber verantwortlich und ja, es gibt in jeder Branche grössere Firmen, die mir die Preise ruinieren können. That’s life. Sehe nicht ein, warum dass bei Buchhandlungen nicht gelten soll. Ich sage nicht, dass ich das gut finde, nur sehe ich keinen Grund, dem Buch eine besonders schützenswerte Stellung zu geben.
    Das Argument des “Kulturgutes” zieht doch schon lange nicht mehr, denn dann müsste das bei Filmen und Musik auch gelten. Tut es aber nicht.
    Und wenn ich “meine” Lieblingsbuchhandlung unterstützen will, tue ich das freiwillig, indem ich bereit bin, in diesem Geschäft “mehr” zu bezahlen. Aber ich möchte mich frei entscheiden können auch mal günstiger einkaufen zu können.
    Und deswegen verblöden wir doch nicht. Es ist nur das Trägermedium, das ändert. Die Zukunft gehört den Inhalten.

  32. Denis Simonet
    January 11th, 2012 @ 21:48

    Die Zukunft gehört den Inhalten. Genau abi!

  33. manu
    January 11th, 2012 @ 22:25

    @Patrick S. danke, du hast mir die antwort schon abgenommen. manu

  34. Patrick S.
    January 11th, 2012 @ 22:45

    Dennis, du brauchst nicht dauernd wiederholen, dass es nicht um die Abschaffung der Buchpreisbindung geht sondern um die Einführung
    einer solchen geht. Ist längst angekommen. Nebst dessen aber völlig unerheblich.
    Schon deshalb, weil sich die Diskussion im Kreis dreht.

    Was die Anpassung an das Ausland angeht: Da gebe ich dir grundsätzlich Recht. Wenn es um Entscheidungen mit wirtschaftlicher Tragweite geht, lohnt es sich aber auch mal in das grenznahe Ausland zu gucken. Nicht um zu einer Entscheidung zu gelangen, sondern um einfach mal den Blick für das große Ganze zu erlangen.

    Eins noch und dann werde ich mich nicht mehr weiter an der Diskussion beteiligen: Sprüche wie “Die Buchpreisbindung kann Innovation und Zeitgeist nicht ersetzen” sind in meinen Augen inhaltsleeres Politiker-Gewäsch.
    Im Kontext deines politischen Engagement drückt dieser nämlich nur eine Weltansicht aus, die am Tellerrand schon zu Ende ist. Eine Weltansicht in der Innovation und Zeitgeist immer mit I anfängt und mit T aufhört.
    Die Buchbranche war schon innovativ, da war das Internet nicht mal ein feuchter Traum. Und sie ist es immer noch. Gute, Kultur-bereichernde Bücher erscheinen ständig. Trotzdem schwächelt diese Branche, weil eine Generation heranwächst, die den Wert eines guten Buches gar nicht mehr zu schätzen weiß. Und auch wenn ein Teil dieser Generation das noch kann, verstehen viele nicht, dass gute kulturell wertvolle eBooks auch nur möglich sind, wenn dahinter eine funktionierende Branche steht.
    Und da zieht auch nicht das Argument man müsse es dann auch für die Musik- und Filmbranche oder – und das ist gerade zu lächerlich – für die Lebensmittelbranche einführen. Erstgenannte Branchen sind nämlich deshalb nicht schutzwürdig, weil es ihnen im Vergleich mehr als gut geht. Und allen Dreien ist gemein, dass sie nicht mit einer wegbrechenden Zielgruppe kämpfen müssen.
    Denn berieseln lassen von Film und Musik, sowie essen und trinken, wird der Mensch auch noch, wenn er völlig verstumpft ist (was nicht heißt, dass er zwangsläufig auf dem Weg dahin ist).

    (P.S. Dein Blog meldet beim Posten regelmäßig “Can not read CAPTCHA file”-Fehler)

  35. abi
    January 11th, 2012 @ 22:52

    @Patrick: Du verklärst das Buch als Medium aber auch ganz schön…

    Dass der Buchbranche die Konsumenten “wegbrechen”, hat schlicht ergreifend damit zu tun, dass sich das Medium ändert. Wie gesagt, die Zukunft gehört den Inhalten, egal wie die verteilt werden.

    Und vergiss nicht: Heutzutage gibt es zig andere Möglichkeiten sich zu beschäftigen, als es die früher gab. Auch deshalb lesen Leute weniger.

    Ah ja? Der Musik geht es bestens? Hörst du die Musikindustrie nicht jammern?

    Für mich gehört Musik ebenso “geschützt” wie Literatur. Beides ist Kultur. Entweder oder.

  36. Denis Simonet
    January 11th, 2012 @ 22:55

    Danke für den Hinweis wegen dem CAPTCHA, habe es mal deaktiviert.

    Deine Punkte sind sicher wichtig, aber:
    1. Es ist mir immer noch nicht klar, warum es den kleinen Buchhandlungen mit Buchpreisbindung erheblich besser gehen sollte. Das ist eine Behauptung, die für mich unlogisch ist.
    2. Für mich ist wichtig, dass es möglich ist, Bücher im Sinne von Text zu einem Thema zu kaufen. Warum diese über kleine Buchhandlungen verkauft werden müssen obwohl die Nachfrage schwindet ist mir ein Rätsel. In der Informationsgesellschaft geht es um Inhalte, wie abi schön gesagt hat. Es ist toll, wenn es fachkundige Buchhändler gibt, aber wenn niemand mehr in einen Laden gehen will um beraten zu werden dann will das eben niemand mehr. Das meine ich mit Innovation und Zeitgeist: Man bietet das an, was die Konsumenten wollen und nicht das, was man gerne hätte, dass es die Konsumenten wollen.

  37. abi
    January 11th, 2012 @ 22:57

    @Denis:

    Das ist das “Problem” in dieser ganzen Diskussion. Dem Buch wird (als Trägermedium notabene!) ein viel zu hoher Stellenwert eingeräumt. Es wird vergessen, dass sich die Zeiten ändern und auch die Bedürfnisse und Wünsche.
    Und wenn die Buchindustrie nicht aufpasst, wird sie da “enden”, wo die Musikindustrie a. d. vor iTunes und Co. war: Am Rande des Ruins.

  38. Patrick S.
    January 11th, 2012 @ 23:05

    Hach, was bin ich inkonsequent. Egal.

    @ abi
    Das “im Vergleich” in meiner Aussage war kein schmückendes Beiwerk. Ja, die Musikbranche jammert. Dafür haben sie mit Sicherheit auch ihre Gründe. Vielleicht Realitätsverlust gepaart mit Gier. Schlecht geht’s denen nämlich nicht. Sie verzeichnen Umsatzsteigerungen im Digitalbereich, im Vinyl-Bereich (!) und haben eine stabile Cash Cow in Form der CD.
    Lies doch mal aktuelle Jahresberichte.

    Und ja, man kann darüber diskutieren beim Schutz von Kultur eine “Entweder oder”-Linie zu fahren. Keine Frage, man muss das nicht so sehen wie ich, dass man erst zu schützen anfängt, wenn es auch was zu schützen gibt.

    Allerdings sollte man auch berücksichtigen, dass dieser Schutz für die Musikbranche durchaus existiert und regelmäßig aufs Neue bestärkt wird. Nicht unbedingt in der Schweiz, aber die hat ja auch eher weniger zu schützen ;-) (nicht ernst nehmen, das war nur ein Spaß!)

  39. abi
    January 11th, 2012 @ 23:16

    @Patrick:

    Da hast du Recht, da gibts in der Schweiz in der Tat nicht viel zu schützen ;-)

    Bzgl. Vinyl: Ja, das ist eine interessante Entwicklung. Und zeigt doch, das “alte” (Träger-)Medien nicht aussterben. Das wird auch beim Buch der Fall sein. Es wird immer Leute geben, die, aus welchen Gründen auch immer, gerne das haptische Erlebnis haben.

    Ich sehe das so: Grosse Konzerne werden profitieren, egal ob die Preisbindung zurückkommt oder nicht. Aber jetzt kann ich die Buchhandlung (finanziell) unterstützen, die ich möchte, indem ich freiwillig den höheren Preis zahle. Das tue ich gerne, wenn ich Beratung benötige. Kommt selten vor.

    Die Frage ist doch, was will man schützen: Das Buch als Trägermedium oder den Inhalt. Und den sehe ich mit der Preisbindung einfach nicht geschützt. Es ist utopisch anzunehmen, dass dank der Buchpreisbindung auch “unrentable” Bücher erscheinen. Kein Verlag kann sich das aus wirtschaftlicher Sicht leisten und in der heutigen Gier-Zeit erst recht nicht. Eine “Selektion” findet also jetzt schon statt, nur ist die nicht so sichtbar. Täglich schicken junge unbekannte Autoren ihre Manuskripte an Verlage und werden abgewiesen, eben auch deshalb. Weil sie “schlecht” sind und sich nicht “verkaufen” lassen. Ich habe immer den Eindruck, “Nostalgiker” (hihi, böses Wort :) ) wollen das nicht so sehen.

    Und wenn es Leute schaffen, dann werden sie wie Rockstars oder Filmstars aufgebaut (aufgebauscht) mit Skandälchen. Man erinnere sich nur mal an “Feuchtgebiete” oder “Axelotl Roadkill”, die beide wohl nicht unbedingt das sind, was man sich unter “Kulturgut” im herkömmlichen Sinn vorstellt.

    Die Buchindustrie selber wird wohl nicht daran zugrunde gehen, ob es eine Buchpreisbindung gibt oder nicht. Kleinere Buchhandlungen sind da eher betroffen. Das sehe ich. Die können nur gewinnen, wenn sie mit besserem Service punkten.

  40. Patrick S.
    January 11th, 2012 @ 23:22

    @ Dennis

    Da fängt das Problem ja schon an.

    1. Die Behauptung ist nicht, dass es den Buchhändlern damit erheblich besser gehen würde, sondern dass es ihnen ohne sehr bald erheblich schlechter gehen wird. Die Discounter sind ja selbst bei euch noch nicht wirklich am Markt angekommen. Das werden sie aber bestimmt.

    2. Das es um Inhalte geht ist richtig. Es geht aber auch darum, dass Inhalte nicht von ungefähr kommen.

    Und: Mag sein, dass sich für viele hier das Trägermedium ändert, aber: Das die Nachfrage rückläufig ist, heißt nicht, dass sie gar nicht nicht da ist. Ist ja schön, wenn ihr euch mit ebooks zufrieden gebt. Oder einfach ganz aufs Lesen verzichtet und stattdessen einen Film guckt. Mir reicht das nicht. Und ich möchte auch in 10 Jahren mal meinen Kindern noch zeigen können, wie toll ein Buch und die eigene Fantasiewelt sein kann. Und nicht sagen müssen: “Tja, vor 10 Jahren, da gab es noch Bücher. Die konnte man nicht nur lesen, sondern auch ins Regal stellen, gemütlich beim Schlendern in der Stadt kaufen oder sogar mal einem Freund/einer Freundin leihen … Und jetzt guck deinen Film.”

  41. Patrick S.
    January 11th, 2012 @ 23:38

    @ Rob

    Oh ja. Es ist eine interessante Entwicklung und macht tatsächlich Hoffnung.

    Auch das große Konzerne profitieren, ist klar. Aber wie du sagst, ja, das tun sie mit oder ohne Buchpreisbindung. Gerade deswegen sollten die nicht im Vordergrund stehen.

    Was das Erscheinen unrentabler Bücher angeht: Nein, so verklärt bin ich noch nicht, dass ich das nicht sehe. Dennoch gibt es auch den umgekehrten Fall. Und man muss es auch so realistisch sehen, dass unter den täglichen Einsendungen auch viel sein wird, was so abgrundtief schlecht ist … dass es dann vermutlich im Kindle Shop für 99 Cent angeboten wird.

    Wo du “Feuchtgebiete” und “Axelotl Roadkill” erwähnst: Dem steh ich im Zwiespalt gegenüber. Denn das ist nicht unbedingt das, was ich unter Kultur verstehe. Aber nüchtern betrachtet, ist es eben vielleicht doch Kultur. Denn Kultur ist halt letztlich auch immer ein Spiegel unserer Gesellschaft. Und da passt doch ein Buch über Sex oder eines von einer Kopistin ganz gut, nicht? Immerhin sind wir eine Gesellschaft, in der Sex einen extrem hohen Stellenwert hat und auch eine, in der Parteien sich unverblümt für die freie Raub-, pardon, Privatkopie einsetzen.

  42. abi
    January 11th, 2012 @ 23:45

    @Patrick:

    Für mich muss Kultur immer auch ein gewisses Niveau erfüllen. Okay, bei vielen Werken stellt sich erst viele Jahre später der wahre Wert heraus (die von mir genannten Werke gehören hoffentlich nie dazu:) )

    Privatkopie & Co. Kamen/kommen m. E. deshalb auf, weil die jeweiligen Industrien viele Trends verschlafen haben. iTunes Music Store hat vorgemacht, wie es geht. Auch das kann tückisch sein, wenn ich nicht mehr das ganze Album kaufen muss. z.B. Wenn es sich um ein Konzeptalbum handelt oder so.

    Wir werden sehen, wohin das alles noch führt… Sehe das sehr skeptisch.

  43. Patrick S.
    January 12th, 2012 @ 00:56

    Ha. Ja. Ein gewisses Niveau wäre schon schön. Aber der Kultur zu Eigen ist halt auch, dass die Ansprüche an sie unterschiedlich sind. Das ist auch gut. Vielfalt ist was Feines.

    Privatkopie kam auf weil … du meinst in dem Sinne, dass sie sogar politisch vertreten wird? Dann ja. Ansonsten: Klares Nein. Kopiert wurde schon, bevor man an die Trends überhaupt denken konnte. Verschlafen wurden sie trotzdem. Wenn man das überhaupt so sagen kann, denn das Plus, das sie dort jetzt verzeichnen, ist ja trotzdem nicht weg zu diskutieren.

  44. Christian
    January 12th, 2012 @ 09:19

    @Patrick: vor vielen Jahren gab es auch mal Musik-Kasetten. Die konnte man in einem Laden kaufen, die hatten (manchmal) schöne Covers und ausklappbare Seiten mit Illustrationen und Songtexten. Und man konnte sie mit einem Bleistift von Hand vor- und zurückspulen. Und man konnte sogar für seinen Schatz ein sog. Mix-Tape zusammenstellen. Es gab mehrere Industriezweige, die davon abhängig waren und damit gross wurden (Walkman?).
    Braucht’s ja wirklich nicht mehr, und Musik wird dennoch immer noch hergestellt.

    Ich habe den Eindruck, dass in dieser Diskussion ein Player etwas zu kurz gekommen ist. Bücher bestehen immer noch aus Inhalten, diese werden geschrieben. Von Autoren. Sie sind zwar sicher nicht die alleinigen Ersteller, tragen aber den grössten Teil der Arbeit und der Verantwortung. Sie profitieren, wenn überhaupt, aber nur im geringsten Masse von einer eventuellen Wiedereinführung eines Buchpreisdiktates.

    Ja, ich werde, etwas nostalgisch, die Abwesenheit von Buchhandlungen bedauern. Bücherr sind etwas schönes, warmes; sie bringen Farbe und erlauben beim Besuch eines Bekannten (oder auch Unbekannten) sich ein Bild über dessen Interessen und Vorlieben zu machen. Das fällt etwas schwerer, wenn da im Wohnzimmer bloss noch ein Kindle rumliegt. Dennoch erachte ich es als unsinnig, mit staatlichen Massnahmen, deren Griffigkeit keineswegs erwiesen ist, einen Industriezweig (den BuchHANDEL) zu schützen, wenn die Nachfrage nach ihm nicht mehr existiert.

  45. abi
    January 12th, 2012 @ 12:03

    @Patrick: Privatkopien (ich benutze ungern das von der Industrie gepushte Wort “Raubkopie”) gab es eigentlich immer, seit es entsprechende Aufnahmemöglichkeiten gab. Das hat durchaus auch seine Berechtigung, wie ich finde. Was man dabei nicht vergessen darf: Ich bezahle mit jedem leeren (Daten-)Träger bereits Gebühren, damit ich das darf.

    Bei Büchern ist das nicht möglich und würde auch keinen Sinn machen. Wenn ich meiner Liebsten z. B. ein Mixtape machen will, möchte ich verschiedene Stücke verwenden. Aus Büchern wird das schwieriger (ich meine, was will jemand mit 50 Seiten aus 50 Büchern :-) )

    Ich sehe die Privatkopie als Dienst am Kunden. Schon heute, wenn ich teilw. bei jungen Künstlern eine CD kaufe, erhalte ich FLAC- bzw. MP3-Dateien gratis dazu. Das finde ich super.

  46. Rüedu
    January 12th, 2012 @ 13:04

    Das ist eine sehr gute Diskussion. Allerdings werden jetzt die Argumente immer wiederholt – von Befürwortern der Buchpreisbindung und von deren Gegner auch. Ich habe keine Ahnung vom Buchhandel. Bis jetzt habe ich meine Bücher immer dort gekauft, wo ich sie erhielt. Meistens waren es Fachpublikationen – da ist das Preisdiktat des einzigen Verlages sowieso klar. Früher war meine Frau Mitglied eines Buchklubs – ihr Fehler (ist aber schon seeeehr lange her). Sie hatte gar kein Interesse daran, als diejenigen Bücher zu kaufen, die sie dort erhielt. Buchhandlungen existierten für sie gar nicht.
    Ich habe dann vor etwa 10 Jahren angefangen, e-Books zu lesen (auf einem MS-DOS “handheld”). Das war vor allem im Zug, Bus oder Flugzeug lustig. Zwischendurch kaufte ich mir fremdsprachige Tabu.
    Für mich war der Preis eigentlich nie ein Thema. Entweder konnte ich mir das leisten oder eben nicht.
    Aber nun den Buchhandlungen zu gestatten, staatlich geschützt Preise festsetzen zu können finde ich total daneben.
    Ich bin ganz klar gegen so ein Gesetz. Ob dadurch die Preise steigen oder fallen ist genauso eine Spekulation alle anderen Prophezeiungen auch.

  47. manu
    January 12th, 2012 @ 13:58

    @Rüedu

    die buchhandlungen setzen die preise nicht fest. das machen nach wie vor die verlage. bis 2007 hast du deine bücher jedenfalls mit preisbindung gekauft. die soll wieder eingeführt werden. ist nichts neues.

  48. Patrick S.
    January 12th, 2012 @ 13:59

    @ Christian
    Es gibt immerhin noch CDs mit schönen Covern, Booklets und so weiter. Und auch, wenn die IT-geprägte Jugend, zu der ich mich auch zähle, den Wert dessen vielleicht nicht mehr ganz so schätzt (ist ja nur Musik, die hör ich eh passiv): Das Medium funktioniert immer noch. Sie macht den Hauptumsatz der Musikbranche aus.

    Der Autor kommt leider immer zu kurz. Das stimmt. Ob es ihm direkt oder auch nur indirekt zu Gute kommt, eine Buchpreisbindung zu haben? Schwer zu sagen. Er erhält heutzutage ca. 10-15% pro verkauftem Buch. Ich finde schon, dass es da für ihn einen Unterschied macht ob ein Buch 5, 10 oder 20 Euro kostet.

    Was wir bei dieser Diskussion natürlich nicht wissen, ist, ob es überhaupt irgendwann zu einem signifikanten Preiskampf kommt. Ich denke, selbst bei euch lässt sich das nach nur 5 Jahren ohne Preisbindung schwer feststellen.
    Gleichwohl liegt hier auch die Schwäche meiner Argumente und Annahmen. Vielleicht werden Bücher im Großen und Ganzen immer noch das Gleiche kosten, wenn der Vorlag die Verkaufspreise nicht vorgibt. Immerhin legt er dann ja trotzdem seine Verkaufspreise im Geschäft mit den (Zwischen-)händlern fest.

    Andererseits könnten die großen Verlage dann wieder ihre Position ausspielen. Sie könnten ein paar ihrer Bücher günstig verscherbeln um so sich und ihre anderen Bucher zu promoten.
    Das ginge wieder zu Lasten der kleinen Verlage, denn die haben weniger Handlungsspielraum. Auch das wäre im Endeffekt schlecht für die Autoren und die kulturelle Vielfalt, denn große Verlage beschäftigen sich in der Regel nur mit Autoren, die bereits Star-Potential haben. Da finden neue Autoren nur selten Eingang, wenn sie nicht sowieso schon im Rampenlicht stehen.

    Bezüglich der Frage, ob Buchpreisbindung tatsächlich was bringt für den Erhalt kleiner Buchhandlungen lohnt es vielleicht auch mal die Anzahl der Buchläden zwischen einem Land mit und ohne Buchpreisbindung zu vergleichen. Eine höhere Dichte würde hier aufzeigen, ob oder ob nicht, eine Buchpreisbindung auch bei den Händlern ankommt.

  49. Denis Simonet
    January 12th, 2012 @ 14:04

    Richtig, neu ist: Es gibt ein Bundesgerichtsurteil, dass es sich bei der Buchpreisbindung um ein Kartell handelt, das sich grundsätzlich schlecht auf die Konsumenten auswirkt. Deshalb ist es ja verboten. Für mich bräuchte es eine klare Ansage der Befürworter, aus welchem höheren Interesse wir die Nachteile eines Kartells in Kauf nehmen sollen. Stichwörter wie Kulturvielfalt oder mehr Buchläden sind zwar gefallen, nur fehlt immer noch eine konkrete Erklärung, wie fixe Buchpreise zu Kulturvielfalt führen bzw. warum mehr Buchläden trotz sinkender Nachfrage eine bessere Welt bedeuten.

  50. Patrick S.
    January 12th, 2012 @ 14:09

    @manu
    Tja, ohne Buchpreisbindung musst du halt Preise festlegen, die deutlich genug über deinem EK liegen um damit zu verdienen, aber deutlich genug drunter, dass man ihn bei dir auch kauft. Dumm nur, dass du ein Buch nicht für 9,99 Euro verkaufen kannst, wenn es bei der Mayerschen für 8,99 Euro verkauft wird, weil du dann die wenigen Kunden, die du hast, vergraulst. Während die große Kette das sehr wohl tun kann, weil sich bei der höheren Filialdichte mehr Kunden finden lassen, die eventuell den höheren Preis bezahlen. Und weil an denen ja sowieso kaum ein Weg vorbei führt.

  51. Patrick S.
    January 12th, 2012 @ 14:28

    Dennis, dir ist aber schon klar, dass eine gesetzlich geregelte Preisbindung etwas anderes als ein Kartell ist?

    Ich hab euren Gesetzesentwurf nicht gelesen, sollte ich vielleicht mal nachholen. Aber Fakt ist, dass eine gesetzlich geregelte Buchpreisbindung sehr viel besser und transparent regeln kann, wie die Preisbildung zu funktionieren hat.
    In Deutschland legt das BuchPrG zum Beispiel fest, dass beim Vertrieb der Bücher die Aufgabe der flächendeckenden Buchverbreitung angemessen berücksichtigt werden muss und das Rabatte nicht ausschließlich auf Basis von Umsatz zu vergeben sind.

  52. Patrick S.
    January 12th, 2012 @ 14:37

    @manu
    Ehm kleine Korrektur: nicht “deutlich genug drunter”, sondern “deutlich niedrig genug”.

  53. Denis Simonet
    January 12th, 2012 @ 14:41

    Patrick, zur Zeit ist es ein Kartell. Deshalb soll ein Gesetz eingeführt werden, das die Buchpreisbindung vorschreibt, sprich das Kartell legalisiert. Genau. Für mich stellt sich also die Frage, warum wir bei Büchern etwas haben wollen sollten, das anderswo verboten ist. Weil es sich eben schlecht auswirkt.

    Unser Gesetzesentwurf sieht vor, dass die Verlage oder Importeure den Preis bestimmen und die Buchhandlungen dürfen maximal 5% vom Preis abweichen. Bei grösseren Abgabemengen des gleichen Buchs dürfen bis zu 20% gewährt werden.

  54. Patrick S.
    January 12th, 2012 @ 15:15

    Dennis, Kartelle lassen sich nicht legalisieren. Sie lassen sich nur durch eine gesetzliche Regelung ersetzen.

    Übrigens: In Deutschland war die Lage früher ganz ähnlich, wie bei euch. Es gab Preisabsprachen und das fand keiner gut, weil das Buch eben als Kulturgut gesehen wird. Man versprach sich bei der Einführung, zumindest dazu beizutragen:

    - eine große Vielfalt verfügbarer Titel zu haben
    - eine möglichst flächendeckende Versorgung zu erreichen (Buchketten eröffnen eher selten Filialen in Kleinstädten)
    - das Verlegen von kulturell wertvollen Werken zu ermöglichen, die aber nicht von vornherein eine große Auflage erwarten lassen
    - eine Vielzahl von kleinen und mittleren Verlagen zu ermöglichen, die es wieder rum vielen deutschen Autoren möglich machen zu veröffentlichen

    Kurz: Zu vermeiden, dass eine ausschließlich Verbraucher-feindliche Umgebung besteht, die *keinen* höheren Nutzen verspricht.

    Man muss dazu sagen, dass wir in Deutschland eine sehr hohe Verbreitung von Buchläden haben (> 3500), es viele deutsche Verlage (> 1000), sowie eine (gefühlt) hohe Anzahl deutscher Buchtitel und Autoren gibt. Zahlen hab ich auf Anhieb nicht gefunden ;)
    Ganz so schlecht scheint das Verlagswesen bei uns also nicht zu funktionieren.

    Euer Gesetz, so wie du es wieder gibst, klingt natürlich wenig sinnvoll, tatsächlich nur den Preis anzuvisieren und dort in Prozenten zu versuchen den Schaden einzuschränken. Vielleicht kämpft ihr einfach an der falschen Ecke. Wie wäre eine gesetzliche Regelung, die Innovation fördert und trotzdem schützt, was zu schützen ist?

  55. Denis Simonet
    January 12th, 2012 @ 15:25

    Die Bevölkerung wird nun mal am 11. März über genau dieses Gesetz entscheiden, da können wir keine Gegenvorschläge machen, wir können nur alle Ja oder Nein stimmen. Wenn eine Mehrheit Ja stimmt, haben wir von da an genau dieses Buchpreisbindungsgesetz und wenn eine Mehrheit Nein stimmt haben wir kein Buchpreisbindungsgesetz. Wir können also entweder für Ja oder für Nein kämpfen… Und ich werde auf jeden Fall Nein stimmen und eine Mehrheit zu überzeugen versuchen, es mir gleich zu tun.

  56. Patrick S.
    January 12th, 2012 @ 15:32

    Tja. Die Frage ist halt nur, wie es weiter geht, wenn die Mehrheit mit Nein stimmen sollte. Für euch ist dann ja alles erledigt, oder? Ob ihr dadurch letztlich aber was gewonnen habt, ist keineswegs sicher.

    Übrigens wenn man erst mal vor einer Ja/Nein-Situation steht, hat man früher schon was versäumt.

    Aber Politik ist ja auch keine Einbahnstraße. Wenn man ein Buchpreisbindungsgesetz hat, ist zumindest die gesetzliche Lücke beseitigt. Man kann daran ja trotzdem noch schrauben.

  57. Denis Simonet
    January 12th, 2012 @ 15:35

    Diese Ansicht impliziert, dass man der Meinung ist, dass es schlecht ist, wenn Preisabsprachen bei Büchern ein Kartell und illegal bleiben. Es gibt aber nicht nur die Option, das Kartell durch eine gesetzliche Regelung zu ersetzen (wie du sagst), man hat auch die Möglichkeit, das Kartell illegal bleiben zu lassen.

    Und nein, das Gesetz wurde ja schon mehrere Jahre lang im Parlament ausgearbeitet, es wird garantiert nach Annahme nicht so schnell geändert.

    Übrigens habe ich noch einen Fakt vergessen, ich erwähne es nur der Vollständigkeit halber: E-Books sind nicht Bestandteil dieses Gesetzes.

  58. Patrick S.
    January 12th, 2012 @ 15:47

    Du ziehst aus meinen Aussagen falsche Schlüsse.
    Ich sage lediglich, dass etwas was ungeregelt nun mal ungeregelt ist. Fehlende Regeln mögen auf der einen Seite ihre Vorteile haben, sie haben aber auch immer ihre Nachteile.

    Ob die im Hinblick auf Kulturgüter schlecht sind – da kann man offenbar geteilter Meinung sein. Sind wir ja auch bekanntlich.

    Und nur um es klar zu stellen: Ich sagte auch nicht, dass die Ersetzung eines Kartells durch eine gesetzliche Regelung die einzige Option ist. Nur, dass man ein Kartell nicht legalisieren kann.

    Klar, wurde das Gesetz schon mehrere Jahre lang ausgearbeitet. Und schnell geht in der Politik sowieso nichts. Deswegen ist es trotzdem nicht in Stein gemeißelt.

  59. Denis Simonet
    January 12th, 2012 @ 21:09

    Es ist aber nicht ungeregelt. Zur Zeit wären Preisabsprachen wie man sie bei der Buchpreisbindung macht schlicht illegal. Es wäre ein Kartell. Es ist also geregelt.

  60. Hans Meier
    January 23rd, 2012 @ 09:10

    Soll es doch nur kommen, das Preisdiktat, dann wird halt nur noch bei amazon&co bestellt werden, da der Zoll dies ohnehin nicht kontrolliern kann und darf.

    Seit die Buchhandlungen nicht nur die teuersten Buchpreise im Vergleich liefern, sondern auch das (überaus unfreundliche) Personal nur noch verkaufen will ist und einen nicht mal mehr eine halbe Stunde schmökern lassen wollen, wie zum Beispiel im Stauffacher Bern; können diese von mir aus gerne eingehen und auf den Müllhaufen der Geschichte landen!!

  61. Denis Simonet
    January 23rd, 2012 @ 13:54

    Amazon wird sich leider an die Preisbindung halten, haben sie glaube ich schon so gesagt. Sie sind es sich ja auch gewohnt, in Deutschland gibt es fixe Buchpreise.

    Doch es wird bestimmt Online-Shops geben, die Bücher ohne Preisbindung anbieten. Denn die Schweizer Gesetzgebung hat natürlich kaum Einfluss darauf und es ist nicht vorgesehen, dass der Zoll die Bücherpreise kontrolliert. Wie auch, die müssten ja eine ganze Armee dafür einstellen.

    Das einzige, was der Preisüberwacher tun könnte: Eine Rüge aussprechen, dass der betroffene Deutsche Shop die Bücher zu billig verkauft. Was wohl einen viralen Effekt haben wird: Alle bestellen nur noch dort weil es alle gut finden, weniger zu zahlen ;).

  62. Patrick S.
    January 23rd, 2012 @ 14:41

    Naja, es ist wohl eher unwahrscheinlich, dass ein Deutscher Shop Bücher billiger verkaufen kann, wenn sie aus der Schweiz stammen und ihr eine Buchpreisbindung hättet.
    Umgekehrt ist es auch relativ unwahrscheinlich, dass euch eine fehlende Buchpreisbindung sehr viel bringt, wenn die Bücher hauptsächlich aus Deutschland kommen (weil der Verlag mit Buchpreisbindung beim Export über den Preis steuern wird, dass er genug an den Büchern verdient)

    Was mich zu einer interessanten Frage bringt: Hast du belastbare Zahlen zur Anzahl der Neuveröffentlichungen Schweizer Verlage pro Jahr? Und wie sieht es mit den Verkäufen inländischer Publikationen gegenüber ausländischer Verlage aus?

  63. Denis Simonet
    January 23rd, 2012 @ 15:18

    80% der Bücher in der Schweiz kommen aus dem Ausland (Deutschland, Österreich, Frankreich, Italien, …). Es wäre also für einen Deutschen Online-Buchhändler ein gutes Geschäft, würde sich lohnen.

    Entwicklung der in der Schweiz herausgegebenen Bücher: http://www.bfs.admin.ch/bfs/portal/de/index/themen/16/03/key/ind16.indicator.16010301.160102.html?open=1

    Laut Stiftung für Konsumentenschutz (die für die Buchpreisbindung ist) kommen 80% der Bücher aus dem Ausland: http://konsumentenschutz.ch/medienmitteilungen/archive/2009/01/08/regulierte-buchpreise-bedeuten-guenstige-buecher.html

  64. Denis Simonet
    January 23rd, 2012 @ 15:20

    Sprich: In der deutschsprachigen Schweiz lesen wir vorwiegend Bücher, die aus Deutschland importiert wurden. Wir könnten also in Zukunft die Bücher einfach direkt beim Deutschen Buchhändler bestellen, der sich nicht an die Preisbindung hält. Und niemand kann ihm was deswegen.

  65. manu
    January 23rd, 2012 @ 15:31

    abgesehen davon, dass es viele schweizer autoren gibt, welchen in deutschen verlagen publiziert werden, ist diese aussage kultur- und blidungstechnisch gesehen nicht wirklich durchdacht.

    [ironie] schulbücher werden wir eh bald nicht mehr brauchen, rechnen lernen kann man auch in euro statt franken und wer möchte schon ein buch über die alpen oder über die räthische bahn haben. da gibt es genug deutsche alternativen oder tolle websites im internet.

  66. manu
    January 23rd, 2012 @ 15:32

    rhätische bahn natürlich

  67. Patrick S.
    January 23rd, 2012 @ 15:33

    Es wäre aber noch ein besseres Geschäft für den Buchhändler, wenn die Schweizer Kunden den Preis zahlen, den er haben möchte (und der sich vermutlich mit dem decken wird, was die deutschen Kunden auch zahlen)

    Dein “Sprich:” kann man auch so lesen: “In der deutschsprachigen Schweiz lesen wir vorwiegend Bücher, die ohnehin schon einer Buchpreisbindung unterliegen.”
    Denn genau so ist es. Einen deutschen Buchhändler, der sich nicht an die Preisbindung hält, wirst du – zumindest für 80% der Bücher, die ihr lest – nicht finden, weil er hier gesetzlich dazu verpflichtet ist.

    Wirft die Frage auf, was der ganze Wind um die Buchpreisbindung soll. Macht für euch doch eh keinen großen Unterschied.

  68. Patrick S.
    January 23rd, 2012 @ 15:40

    @ manu
    Na ja, manu, Schulbücher haben wir in Deutschland auch. Ganz so sehr Hinterweld sind wir ja nicht ;)

    Durchdacht ist die Aussage von Denis trotzdem nicht. Das Geld fließt an eurer Wirtschaft halt überwiegend vorbei, wenn 80% der Bücher aus dem Ausland kommen. Mit oder ohne Buchpreisbindung. Die Buchpreisbindung steuert halt nur, wer davon profitiert. Oder eben nicht.

  69. Patrick S.
    January 23rd, 2012 @ 15:41

    Hinterwald*

  70. Denis Simonet
    January 23rd, 2012 @ 15:53

    Das stimmt so nicht. Amazon darf Bücher, die in die Schweiz geliefert werden, ohne Buchpreisbindung verkaufen. Tun sie auch, es gab schon Rabattaktionen. Mit Schweizer Buchpreisbindung, wie sie eingeführt werden soll, müsste jeder Importeur einen Preis für die Schweiz bestimmen. Es gäbe also zwei Preise, einen für D und einen für CH.

    Gerade bei Schulbüchern, die einen grossen Absatz haben weil sie jedes Jahr bestellt werden, ist es falsch, den Buchhandlungen zu verbieten, höhere Rabatte zu geben. Studentenrabatte würden unmöglich.

  71. manu
    January 23rd, 2012 @ 16:06

    amazon kann jetzt schon mit ihren preisen zwischen deutschland, österreich und der schweiz unterscheiden. das wird schonmal nicht das problem sein. diese preise in euro (deutschland), euro (österreich) und franken werden bereits von den verlagen festgelegt.

    rabatte für schulen und studenten werden auch nicht abgeschafft, wie du fäschlicherweise annimmst. vielleicht eben nicht in prozenten auf dem preis, aber wenn du 10 exemplare kauft kriegst du ein elftes dazu. studenten können ihren rabatt mit dem hörerschein vom professor in anspruch nehmen, etc.

  72. Patrick S.
    January 23rd, 2012 @ 16:17

    Hm, ja, du hast Recht. Unser Buchpreisbindungsgesetz nimmt ja die den grenzüberschreitenden Verkauf explizit von der Preisbindung aus.

    Meine Aussage bleibt aber richtig. Denn der Importeur kann ja nicht einfach Preise erfinden. Sein Spielraum bewegt sich nur zwischen seinem EK und dem was er maximal als VK verlangen kann. Ersteren steuert ohnehin das deutsche Verlagswesen und die Großhändler, über die der Importeur die Bücher bezieht. Die Preise werden hier wohl kaum unter dem EK des deutschen Buchhandel liegen, weil ihr im Vergleich zu Deutschland ein recht kleines Land mit entsprechend niedrigen Absatzzahlen seid.
    Realistischer ist, dass der Schweizer Importeur schlechtere Einkaufspreise hat.

    Verkaufen die Händler bei euch es also günstiger als in Deutschland, machen sie weniger Umsatz. Im Idealfall (für den Konsumenten) schadet eine fehlende Buchpreisbindung also eurer Wirtschaft.
    Im Idealfall (für den Buchhandel) verkauft er ohne Buchpreisbindung die Bücher einfach teurer oder zum gleichen Preis wie in Deutschland. Bringt dem Konsumenten nichts, dem Händler auch nur bedingt (weil er die Preisschraube nicht zu hoch andrehen kann, da er ja mit Deutschland konkurriert) aber immerhin hat er die Freiheit über den Verkauf einzelner (!) teurerer Artikel seinen Umsatz zu sichern.

    Ich seh schon: Keine Buchpreis-Bindung ist die totale Win Win-Situation ;)

  73. Patrick S.
    January 23rd, 2012 @ 16:18

    Im Übrigen: Ein gutes Buchpreisbindungsgesetz regelt auch den Verkauf von Schulbüchern. In Deutschland sind entsprechende Rabatte gesetzlich verankert und vorgegeben.

  74. Patrick S.
    January 23rd, 2012 @ 16:20

    Ehm. Es müsste natürlich “Verkaufen die Händler bei euch also günstiger als in Deutschland, machen sie weniger Gewinn” – denn darauf läuft es ja eigentlich hinaus.

  75. manu
    January 23rd, 2012 @ 16:25

    denis, die rabatte sind geregelt. hättest du einmal wenigsten das gesetzt gelesen, dann wüsstest du das. aber du kannst von mir aus weiterhin unsinn erzählen und wilde behauptungen nachplappern.

    Art. 6 Allgemein zulässiger Rabatt
    Buchhändlerinnen und Buchhändler dürfen auf den festgesetzten Endverkaufspreis
    einen Rabatt bis zu 5 Prozent gewähren.

    Art. 7 In besonderen Fällen zulässige Rabatte
    1 Auf dem festgesetzten Endverkaufspreis können Rabatte gewährt werden:

    a. für den Verkauf von Büchern an öffentliche Bibliotheken mit einem jähr- lichen Gesamtbeschaffungsetat von:
    1. höchstens 500 000 Franken: bis 10 Prozent,
    2. über 500 000 und höchstens 1 000 000 Franken: bis 15 Prozent,
    3. über 1 000 000 Franken: in beliebiger Höhe;

    b. für den Verkauf des gleichen Buches in:
    1. 11–50 Exemplaren: bis 10 Prozent,
    2. 51–100 Exemplaren: bis 15 Prozent,
    3. mehr als 100 Exemplaren: bis 20 Prozent;

    c. für den geschlossenen Verkauf einer Reihe zusammengehörender Werke und für die Subskription eines Werks bis zu dessen vollständigem Erschei- nen: in beliebiger Höhe;

    d. für Bücher, die in eigener Ausstattung und zu einem späteren Zeitpunkt als die Originalausgabe von Buchgemeinschaften an ihre Mitglieder verkauft werden: in beliebiger Höhe.

    http://www.admin.ch/ch/d/ff/2011/2703.pdf

  76. Denis Simonet
    January 23rd, 2012 @ 16:33

    Manu, ich habe das Gesetz gelesen und im Podcast darüber geredet: http://parrot.fm/2012/01/06/im-fokus-die-buchpreisbindung/

    Diese Artikel erlauben es nicht, einem Studenten 30% Rabatt zu geben. Heute dürfen das alle Buchhandlungen wenn ihnen danach ist. Mit der Buchpreisbindung wird es nicht mehr so einfach sein, Rabatte zu erhalten (man müsste immer Sammelbestellungen machen) und andererseits gibt das Gesetz Obergrenzen vor. Halte ich für einen Unsinn. Buchhandlungen sollen Rabatte gewähren dürfen wie sie wollen.

    Zu Amazon: Ich habe nie in Frage gestellt, dass Amazon die Buchpreisbindung für die Schweiz umsetzen wird. Natürlich werden sie das und es ist kein Problem für sie. Sie sind es sich ja gewohnt.

    Es geht darum, dass Amazon dann keine zusätzlichen Rabatte mehr gewähren wird. Aber kleinere Online-Buchhändler werden den Braten bestimmt riechen und die Bücher billiger anbieten. Da kann der Preisüberwacher noch lange kommen und den Shop rügen. Mit jeder Rüge macht er Werbung für den Shop, immer mehr werden dort bestellen. Es ist gesellschaftlich alles andere als geächtet, wenn jemand Produkte billig anbietet.

  77. Patrick S.
    January 23rd, 2012 @ 16:35

    Denis, jetzt mal im Ernst, du weißt aber schon wie Wirtschaft funktioniert, oder?

  78. Denis Simonet
    January 23rd, 2012 @ 16:36

    Warum meinst du?

  79. Patrick S.
    January 23rd, 2012 @ 16:39

    Denk noch mal nach, welche Prognose du da aufstellst. Du glaubst tatsächlich, dass ein kleiner Online-Buchhändler machen kann, was Amazon nicht machen wird (weil es vermutlich handfeste finanzielle Gründe gibt, die dagegen sprechen und das obwohl Amazon mit Sicherheit die besten Einkaufskonditionen von allen hat)?

  80. Denis Simonet
    January 23rd, 2012 @ 16:42

    Amazon tut das heute doch, sie werden es mit der Buchpreisbindung nicht mehr tun.

    Ja, es wird sicher Shops geben, die gefragte Bücher etwas unter dem gebundenen Preis für die Schweiz anbieten. Umsatz ist nicht der einzelne Verkaufspreis sondern die verkaufte Menge mal Verkaufspreis. Heute bestellen wir alle bei Amazon, weil sie Rabatte gewähren. Wird eine Buchpreisbindung eingeführt, gewährt Amazon keine Rabatte mehr. Die Kunden werden also auf einen Konkurenten ausweichen, der sich nicht um die fixen Preise der Schweiz kümmert.

  81. Patrick S.
    January 23rd, 2012 @ 16:57

    Das ist Blödsinn. Sie haben ja den 5% Rahmen und den wird Amazon zu Marketing-Zwecken auch nutzen.

    Richtig, Umsatz ist verkaufte Menge mal Verkaufspreis. Viel entscheidender als der Umsatz ist aber der Gewinn. Jedenfalls, wenn der Händler nicht das Rote Kreuz ist.
    Gewinn ist Umsatz minus Kosten.

    Die Warenbeschaffung macht beim Handel einen Großteil der Kosten aus und ist für einen kleinen Händler, mit geringen Abnahmemengen, deutlich höher als für ein Unternehmen wie Amazon. Wenn er nun wirklich mit Amazon über den Preis konkurrieren will, muss er erst mal dahin kommen, dass alle bei ihm kaufen. Das wird er nicht. Nicht bevor er pleite ist oder zumindest auf dem Zahnfleisch geht.

  82. Denis Simonet
    January 23rd, 2012 @ 17:07

    Die 5% werden sowieso viele nutzen. Amazon gibt heute aber teilweise mehr als 5%, das werden sie danach nicht mehr. Die Bücher werden also teurer als heute.

    Es gibt sicher noch andere Onlinehändler, die schon eine Stammkundschaft haben und sich überlegen werden, ein Angebot für die Schweiz einzuführen. Amazon hat auch mal klein angefangen. Das Potenzial ist jedenfalls gross, ich bin mir sicher dass es welche geben wird, die das Risiko auf sich nehmen.

  83. manu
    January 23rd, 2012 @ 17:43

    darum bestellt ja heute halb deutschland ihre bücher mit 30% in der schweiz. oder doch nicht?

  84. Denis Simonet
    January 23rd, 2012 @ 17:56

    Schweizer Bücher sind in Deutschland wohl ein verschwindend kleiner Markt, gibts da Zahlen?

  85. NEIN zum Schlamassel : Denis Simonet
    January 25th, 2012 @ 12:57

    [...] die Buchpreisbindung habe ich ja schon mehrfach geschrieben. Im Beitrag «Der Untergang der Buchhändler?» ging ich der Frage nach, ob die Buchpreisbindung, über die wir [...]

  86. Korrelierst Du noch oder kausalisierst Du schon? : Denis Simonet
    February 4th, 2012 @ 11:53

    [...] schliessen müssen, könnte das auch daran liegen, dass sich die Gesellschaft gewandelt hat und ganz einfach keine Nachfrage mehr für Qualität und Beratung besteht. Wetten, dass das aber nicht passieren [...]

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