Diaspora: SciFi@pod.geraspora.de · Jabber: SciFi@jabber.ccc.de · Twitter: SciF0r

Netlocks: Haft für gewerbliche Befreiung.

08.05.2011 | 2 Kommentare

Handys werden üblicher Weise verbilligt abgegeben, wenn man beim Kauf einen Vertrag abschliesst. Die Unterschrift bindet den Käufer für 12 oder sogar 24 Monate an ein teures Abonnement. Um sicher zu stellen, dass nicht nur die Abonnementsgebühren bezahlt werden, sondern der Kunde dem Netzbetreiber auch brav treu bleibt, wird ein solches Handy oft mit einem Network Lock (Netlock) versehen. Diese Sperre stellt sicher, dass nur SIM-Karten des ursprünglichen Anbieters funktionieren. Wenn ich also ein verbilligtes iPhone bei der Swisscom kaufe, kann ich es nicht mit einer SIM-Karte von Orange verwenden. Das wirklich Schlimme daran ist, dass es auch ausländische SIM-Karten betrifft. So kann ich mein iPhone in Deutschland nicht mit einer billigen SIM-Karte von Aldi verwenden. Wenn man aber die horrend teuren Roaming-Gebühren für Datenverkehr anschaut, wird das Sparpotenzial von mehreren hundert Franken oder mehr rasch klar. Aus diesen Gründen ist das Internet voll von Anleitungen, wie man Geräte verschiedener Hersteller knackt. Oft ist das aber gar nicht so einfach. Beim iPhone gibt es z.B. unterschiedliche Tools, die unterschiedlich gut funktionieren – je nach Gerätetyp und Version der Baseband. Deshalb gibt es auch Unternehmen, die solche Unlocks gewerblich durchführen. Ein deutsches Gericht hat dieses Geschäftsmodell nun als illegal beurteilt und einen gewerblichen Unlocker zu einer Haftstrafe von sieben Monaten auf Bewährung verurteilt.

Ich empfinde dieses Urteil als sehr bedenklich. Mit dem Kauf eines Handys gehört es mir und ich darf es sogar im Mixer zerhacken (Empfohlen: Link anklicken und Video gucken), wenn ich das will. Es muss also auch legal sein, eine technische Sperre für fremde SIM-Karten zu entfernen. Das gilt analog für alle elektronischen Geräte. Ich will das Recht haben, Linux auf meiner Playstation 3 zu installieren – egal, ob das Sony passt. Es muss legal sein, mit einem Jailbreak dafür zu sorgen, dass mir Apple nicht vorschreiben kann, welche Software ich auf meinem iPhone installieren darf – egal, was der Hersteller davon hält. Wenn mir das notwendige Know-How fehlt, muss es legal sein, wenn es jemand anderes für mich gegen ein Entgelt tut. Ich hoffe sehr, dass in der Schweiz ein solches Urteil nicht möglich wäre.

Kommentare

2 Responses to “Netlocks: Haft für gewerbliche Befreiung.”

  1. Swissbite
    May 8th, 2011 @ 22:15

    so sehr ich hoffe dass ein Urteil über diesen Sachverhalt anders ausgehen würde so unsicher bin ich ob unsere Gerichte für den Endbenutzer einsetzten werden.
    Ich hoffe darauf, bezweifle aber dass es so sein wird….

  2. Netlocks: Haft für gewerbliche Befreiung. : Denis Simonets Blog
    May 12th, 2011 @ 11:51

    [...] hier den Originalbeitrag weiterlesen: 15 – Netlocks: Haft für gewerbliche Befreiung. : Denis Simonets Blog [...]

Leave a Reply





*

Notify me of followup comments via e-mail. You can also subscribe without commenting.

  • Meta

  • Archiv

  • Tags

  • Count per Day

    • 369This post:
    • 219854Total visitors:
    • 130Visitors today:
    • 0Visitors currently online: