Gute Nacht, Schweizer Buchmarkt!
19.03.2011 | 4 Kommentare
Die Buchpreisbindung ist zurück. Am Freitag wurde beschlossen, allen Buchhändlern auf der ganzen Welt die Preise vorzuschreiben. Lächerlich, ist aber so. Trotzdem kam mehrfach die Frage auf, ob Internet-Bestellungen im Ausland wirklich ein gutes Argument gegen dieses Gesetz sind. Denn Amazon wird sich doch wohl an die Spielregeln halten? Nun, die Riesen werden sich vielleicht tatsächlich dem staatlichen Preisdiktat fügen. Doch mehr als eine Milliarde Menschen nutzen das Internet. Jeder von ihnen kann einen Buchshop betreiben. Wie soll die Einhaltung der Vorschrift da überprüft werden? Die Buchpreisbindung ist nicht zeitgemäss und unrealistisch. Mehr noch: Sie schröpft die Konsumenten, schottet den Markt ab und schadet schlussendlich dem wichtigen Kulturgut Buch. Denn eine Preisvorgabe schützt nicht die Autoren oder die literarische Vielfalt, sondern erzeugt eine regulierte Hochpreisinsel. Die Piratenpartei hält fest:
Wie sich solche Monopole auf den Konsumenten auswirken, zeigt sich nicht zuletzt an den Medikamentenpreisen, wo der Schweizer Bürger im Interesse der Grossindustrie erheblich mehr für das gleiche Produkt bezahlen muss als seine Nachbarn jenseits der Landesgrenzen – eine ähnliche Situation gilt es bei wichtigen Kulturgütern wie Büchern zu vermeiden. Andernfalls droht dem Büchermarkt eine Situation wie wir sie in der Musik- und Filmindustrie bereits haben: die Konsumenten werden sich digitale Bücher auf dem Schwarzmarkt besorgen, wo weder Verlagshäuser noch Autoren etwas daran verdienen.
Der Buchhandel muss innovativ, erfinderisch und lebendig sein. Nur so kann das Kulturgut Buch in der Schweiz gefördert werden. Oder würde irgendjemand einer Musikpreisbindung positive Auswirkungen zusprechen? Zum Schluss ein treffendes Zitat von Nationalrat Lukas Reimanns Blog.
Referendum hin oder her: Ich werde mir mit Genuss Schweizer Bücher von Schweizer Autoren aus Schweizer Verlagen über ausländische Internet-Buchhandlungen bestellen und dafür 20 bis 30% weniger bezahlen als mir die Bürokraten vorschreiben. Es soll mir mal jemand erklären, wie dies überwacht werden soll? Sollen mit Tausenden von Beamten alle Pakete am Zoll aufgerissen werden und auf Preise überprüft werden? Surft der Preisüberwacher auf Tausenden von Online-Buchhandlungen der Welt und überwacht alle Preise und die Lieferbedingungen in die Schweiz? Na dann gute Nacht!
Ich kondoliere mit. Gute Nacht, Schweizer Buchmarkt!
Verwandte Beiträge:
Kommentare
4 Responses to “Gute Nacht, Schweizer Buchmarkt!”
Leave a Reply







March 19th, 2011 @ 20:44
Auch hier finde ich, bereitest du, Denis, oder ihr, die Piraten, ein Thema sehr populistisch auf. Auch der enge Bezug zu Lukas Reimann, meiner Meinung nach ein Meister des Populismus, missfällt mir bei einer Bewegung, für die ich durchaus Sympathien hätten.
Warum populistisch? Zunächst einmal gibt es in der Schweiz Gesetze, welche in einem demokratisch legitimierten Prozess erlassen werden. Diese Gesetze sollen respektiert werden – gerade von Parteien, die ja die Möglichkeiten kennen, diese Gesetze zu verändern. In diesem Sinne begrüsse ich die Initiative. Es gibt aber auch Gründe, die für eine Buchpreisbindung sprechen. Diese Gründe nur lächerlich zu machen, halte ich wenig produktiv und auch wenig reif. Vielmehr müsste man (statistisch, nicht einfach durch Behauptungen) zeigen können, dass man die besseren Argumente hat.
Ein Gesetz deswegen zu kritisieren, weil es nicht durchsetzbar ist, ist ebenfalls populistisch und weltfremd: Die wenigsten Gesetze werden eingehalten und bei den wenigsten Gesetzen kann überprüft werden, ob sie lückenlos eingehalten werden. Das war noch nie ein Grund, ein Gesetz zu kritiseren.
Ich habe auch in meinem Blog einige Bemerkungen zur Buchpreisbindung gemacht: http://philippe-wampfler.com/2011/03/19/von-unterhosen-papierhaufen-und-der-buchpreisbindung/
March 19th, 2011 @ 21:54
Nun, was du als populistisch auffasst ist meine Überzeugung aufgrund von Beobachtungen. Seit der Aufhebung der Buchpreisbindung kann ich in Ex Libris Bücher kaufen, deren Preis dem auf Amazon entspricht – durch die 30% Rabatt. Diese werden faktisch durch eine erneute Preisbindung teurer.
Es gibt bestimmt auch positive Aspekte, alles hat Vor- und Nachteile. Nur bin ich überzeugt, dass es mir viele nachmachen werden. Warum sollte ich in der Schweiz einkaufen, wenn es im Ausland billiger geht? Werden nicht alle so denken wie ich? Ich bin mir jedenfalls sicher, dass eine Buchpreisbindung kein Problem nachhaltig löst.
Bei der Buchpreisbindung gibt es übrigens (im Gegensatz zur Transparenz-Initiative) keinen engen Bezug zu Lukas Reimann. Mir gefiel die zitierte Aussage auf seinem Blog und er unterstützt auch das Referendum. Darüber gesprochen habe ich mit ihm aber bisher nicht. Habe übrigens auch noch auf Brenda Mäders und andere Blogs geguckt, um mich inspirieren zu lassen. Den deinen habe ich aber in der Tat übersehen. Werde lesen, was du geschrieben hast.
Edit: Fast vergessen: Ja, viele Gesetze können nicht vollständig kontrolliert werden. Doch die Preise im Internet zu regulieren ist ziemlich unmöglich. Ein solches Gesetz ist doch sinnlos. Warum wird der Markt für Bücher nicht einfach sich selber überlassen, wie es bei Musik und Filmen auch der Fall ist?
March 23rd, 2011 @ 13:26
Leider wird ein wichtiger Punkt oft übergangen: die Buchpreisbindung wäre ja gar nicht mal so schlimm (auch in Deutschland gibt es die ja!) – es ist der unfassbare Umrechnungskurs von 1.8 Franken pro Euro zur Festlegung des Buchpreises, der eine absolute Schweinerei ist!
Die SP schützt nicht ein Kulturgut, sondern macht das Buch mehr und mehr zum Luxusgut! Einem Luxusgut, das für junge Familien aus weniger komfortablen Verhältnissen wohl bald gar nicht mehr erschwinglich sein wird. Und da präsentiert man sich als soziale Partei…
…aber natürlich wird es auf jeden Fall kein Problem sein, Bücher weiterhin aus dem Ausland zu beziehen, auch wenn Amazon sich an die “Spielregeln” halten sollte. Ich wohne nah an der Grenze – wenn man sich im Internet ein bisschen schlau organisiert, können regelmässig zollfreie Lieferungen von Büchern in die Schweiz erfolgen.
April 13th, 2011 @ 10:18
[...] März teilte die Migros mit, dass sie hinter dem Referendum gegen die Buchpreisbindung steht und es aktiv unterstützen will. Sie hält Wort und lässt nun Ex Libris-Filialen [...]