Acta gehört ad acta…
28.06.2010 | 8 Kommentare
…damit die Freiheit überlebt! Denn ACTA ist ein Monstrum, das die Freiheit untergräbt.
Mit dieser Message fasst der Stop-ACTA-Song den heutigen AdACTADay perfekt zusammen. Um 13.30 versammelten sich über 50 Gegner des plurilateralen Abkommens auf dem Bahnhofplatz in Luzern. Die Forderung: Schluss mit den intransparenten Verhandlungen! Der deutsche ACTA-Koordinator Stephan Urbach und der grüne Europapolitiker Wolfgang Wettach stellten die Gefahren von ACTA dar. Andi Popp (Piratenpartei Deutschland) und Matthias Weiler (Piratenpartei Österreich) bestätigten diese Bedenken, die auch die Piratenpartei Schweiz teilt.
Die Verramschung unserer Grundrechte war ein voller Erfolg: Die Privatsphäre ging für 3 Franken an Jörg Tauss und die Sprachenfreiheit für 5 Rappen an unseren frankophonen Vizepräsidenten Pascal Gloor. Bleibt zu hoffen, dass den ACTA-Verhandlungsdelegierten die Grundrechte mehr bedeuten und sie ihren Kurs entgegen dieses Beispiels setzen.
Nun muss ich die Stadt Luzern loben: Unser Traktorfahrer war heute krank und der Anhänger ist somit ausgefallen. Deswegen wandte ich mich an Rico de Bona, der uns nach meiner brieflichen Intervention den Protest doch noch erlaubt hatte. Nach nur drei Anrufen hatte ich die Zusage: Die Stadt Luzern stellte uns kostenlos einen Traktor mit Anhänger zur Verfügung – innert zweistündiger Frist! So und nicht anders muss die Dienstleistung für Grundrechte aussehen.
Der Ort Luzern war natürlich nicht zufällig gewählt. Diese Woche findet im Hotel Palace die neunte Verhandlungsrunde zu ACTA statt. Der genaue Austragungsort wäre übrigens geheim. Doch die Wochenzeitung publizierte diese Information in einem Artikel zu ACTA. Eine fünfköpfige Delegation von Piraten aus der Schweiz (ich war dabei :)), Deutschland und Österreich durfte die Verhandlungsdelegierten in einem Sitzungszimmer des Fünfsternehotels treffen und die Petition stopp-acta.info mit 4400 Unterschriften überreichen. Dabei konnten wir während einer halben Stunde unsere Kritik an der Intransparenz erklären, den Stopp der Verhandlungen fordern und im Anschluss mit einzelnen Vertretern reden. Grundsätzlich war die Haltung zu unseren Vorwürfen abweisend. Im grossen und ganzen seien alle notwendigen Informationen (über die Webseiten der Delegationen verstreut) im Internet verfügbar. Auch wurde uns versichert, dass 3-strikes und Grenzmassnahmen für Patente vom Tisch seien. Eine weitere wichtige Information ist, dass keine total neuen Vorschläge mehr in ACTA einfliessen werden.
Es bleiben aber immer noch Grundsatzfragen offen: Wie bitte soll sich ein interessierter Mensch, Parlamentarier eingeschlossen, einen Überblick verschaffen können, wenn sogar die Verhandelnden selber, wie sie eingestanden, teilweise in ACTA verloren sind? Erschwerend dazu kommt, dass die Informationsbröckchen auf duzenden von Plattformen verteilt sind. Es gibt keine einfache Möglichkeit, die Vollständigkeit und Echtheit zu überprüfen. Transparenz ist was anderes! Dann die wichtigste inhaltliche Frage: Warum genau müssen wir unsere bestehenden realitätsfremden Urheberrechtsbestimmungen in einem Regelwerk gegen Produktefälschungen zementieren, wo es doch zu allem dazu der Contentindustrie besser geht denn je zuvor?
Bilder: CC-BY 3.0 Switzerland – Author: Pascal Gloor
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Tags: ACTA > AdACTAday > Demonstration > Grundrechte > Luzern > Piratenpartei > Urheberrecht
Kommentare
8 Responses to “Acta gehört ad acta…”
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June 28th, 2010 @ 22:53
ACTA ist ganz fies, dabei geht es um den Zugang der ärmsten Länder zu Medikamenten, und maximalistische Rechtsdurchsetzung in einer Art und Weise wie das der Gesetzgeber niemals akzeptieren würde. Ich frage mich, was da die Schweiz zu sagt.
July 3rd, 2010 @ 21:22
[...] Montag war der AdACTADay. Ich traf mich mit Unterhändlern der drei Duzend ACTA-Staaten – vier weitere Piraten waren [...]
July 4th, 2010 @ 12:55
[...] Luzern bekamen auch die Piratenparteien aus der Schweiz, Österreich und Deutschland einen Termin. Nach einer Kundgebung übergaben die [...]
July 4th, 2010 @ 13:45
[...] (Bilder: CC-BY 3.0 Switzerland – Author: Pascal [...]
September 25th, 2010 @ 19:23
[...] ins Ausland und macht nun unbeirrt in allen anderen Ländern weiter. Das plurilaterale Abkommen ACTA steht kurz vor dem Abschluss und in St. Gallen gab es mal wieder eine Einschüchterungsaktion der [...]
October 6th, 2010 @ 23:52
[...] Durch die geheime und undemokratische Vorgehensweise ist weiterhin nur ein Schluss möglich. ACTA gehört ad acta! Mir und vier weiteren Piraten hat die 11-Köpfige Delegation ins Gesicht gelogen, dass ACTA [...]
January 3rd, 2011 @ 22:38
[...] Stopp ACTA, die mittlerweilen von weltweit mehr als 10’000 Personen unterzeichnet wurde. Am AdACTA-Day übergaben wir sie den Unterhändlern der 12 Verhandlungsstaaten. International waren wir aber [...]
January 16th, 2012 @ 12:20
[...] Gesetze wie der «Stop Online Piracy Act» (SOPA) zur Debatte. Ähnlich wie beim DMCA und bei ACTA verstecken sich hinter SOPA Repressalien zur Gewinnmaximierung der Unterhaltungsindustrie. Mein [...]