Eigentlich könnte man meinen, dass sich die Totredejournalisten nach einer dreijährigen Erfolgswelle endlich einem anderen Hobby als dem Piratenbashing widmen. Ein Spätzünder beim Spiegel Online beweist leider das Gegenteil. Statt Qualitätsjournalismus zu betreiben stürzt sich Ole Reißmann lieber auf die Fehler am Bundesparteitag und rechtfertigt seine Abneigung durch halbpatzige Recherchen. Er fasst die jüngsten Entwicklungen als Schiffbruch zusammen.
Ich zitiere @mrtopf von Twitter:
Es könnte aufwärts gehen mit den Piraten, denn die Presse versteht sie wieder nicht mehr (“Hä? Nicht mehr Programm?!?”) http://bit.ly/azc8GF
Denn genau so ist es! Die revolutionäre Neuerung Liquid Feedback erwähnt er in keinem Wort. Er springt lieber auf den Populismuszug und schliesst sich den hilflos um Wähler kämpfenden pseudomodernen Politikern an. Die Piratenthemen sollen von den anderen Parteien adäquat übernommen worden sein? Lächerliche Aussage! Wer ein Auto kauft kann es nicht automatisch fahren. Er lobt ausserdem die Enquete-Kommission, die sich im Bundestag mit der digitalen Gesellschaft befasst. Rudelinkompetenz verspricht Besserung? Wohl kaum! Jörg Tauss hat einen schönen und ausführlichen Kommentar zum Vorsitzenden dieser Enquete, Axel E. Fischer, verfasst. Bleibt zu hoffen, dass sie sich selber ein Bein stellen bevor sie auf die Gesetzgebung losgelassen werden…
Klar, es geht Reißmann konkret um die deutschen Piraten. In der Schweiz wurden wir aber auch schon als Totengräber der Kultur und Gutenbergs Tod bezeichnet. Solange wir von den Medien missverstanden werden ist klar: wir haben unser Ziel bei Weitem nicht erreicht. Denn so lange haben auch die “coolen” Politiker, welche von den Piraten gelernt haben wollen, keine Ahnung wovon sie reden.
So, nun muss ich mich wieder um wichtigere Dinge als Reißmanns Lieblingsthema Genderdebatte kümmern. ACTA verhindert sich nicht von alleine!
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