Richard Stallman hielt gestern morgen um 10:00 Uhr einen Vortrag mit dem Titel “Copyright vs. Public”. Ich konnte mir das nicht entgehen lassen. Die Aula der Uni Bern war gefüllt, unter anderem mit einem halben Duzend Piraten. Obwohl ich nicht alle Ansichten von Stallman teile, fand ich seine Ausführungen sehr interessant.
Der Vortrag
Nach der Begrüssung von Stallman durch Wilf Gasser, Grossrat Kanton Bern (EVP), hat Matthias Stürmer die Swiss Free Systems User Group als Co-Organisatorin vorgestellt. Für den einen Tag wurde Open konsequent durch Free ersetzt. So wurden wir auch auf die FreeExpo aufmerksam gemacht. Niko Schwarz übernahm die Vorstellung von CHOOSE als zweite Co-Organisatorin.
Der Vortrag begann mit einer Eklärung, warum proprietäre Produkte schlecht sind und weshalb wir sie nicht verwenden sollen. Als Beispiel nannte er Windows von Microsoft – und ergänzte: “Wir wissen alle, dass die Sicherheit von Windows schlecht ist. Aber eigentlich ist sie 0.” Anschliessend fasste er die Geschichte des Urheberrechts zusammen und erklärte, was frei im Kontext der Freiheit bedeutet. So kam er zu seinen Anliegen.
Er fordert eine Senkung der Schutzdauer von Werken auf 10 Jahre und sieht in der grossen Differenz zwischen den Einnahmen der Stars und der “kleinen” Autoren ein grosses Problem. Die Einnahmen sollen logarithmisch vom Erfolg abhängen. Ausserdem soll das Geld immer zu den Autoren fliessen und nicht die Kassen von Majors oder Verlagen füllen. Ich zitiere: “Beim Kauf einer CD schäme ich mich, nicht die Musiker zu unterstützen.” Der nichtkommerzielle Austausch von unveränderten Kopien soll immer legal sein.
Diesen Forderungen steht aber die Berner Übereinkunft entgegen. Sie “verlangt einen lächerlich langen Schutz von Werken”, so Stallman. Er befürchtet durch eine Art Wettkampf zwischen den USA und der EU sogar eine Verlängerung dieses Schutzes. Die Übereinkunft sieht in Artikel 9 einen Drei-Schritte-Test für Ausnahmen des Exklusivrechts der Autoren vor. Die drei Kriterien sind:
- Es muss ein gewisser Sonderfall sein.
- Die Ausnahme darf die übliche Verwendung der Werke nicht beeinträchtigen.
- Sie darf die berechtigten Interessen des Rechteinhabers nicht beeinträchtigen.
Diese Bedingungen wurden später in weitere internationale Urheberrechtsverträge wie das TRIPS-Abkommen, der WIPO-Urheberrechtsvertrag und die Richtlinie 2001/29/EG (Urheberrechtsrichtlinie) integriert. Sie sind viel zu restriktiv.
Nach diesem Teil, der etwa 1.5 Stunden dauerte, folgte die Versteigerung eines Plüsch-GNUs. Sie fing bei 30 Franken an und endete bei 400 Franken. Der Erlös geht an die Free Software Foundation. Die anwesenden Piraten haben zwischendurch 200 Franken geboten. Mehr konnten wir aber spontan nicht zusammenlegen.
Darauf folgte der Frageteil. Hier bemerkte man die überzeugte Haltung von Stallman. Die Frage von einem Musiker, ob er denn nach der Umsetzung dieser Forderungen noch irgendeine Chance hätte, CDs zu produzieren und Geld zu verdienen, erwiderte er mit “Selbstverständlich. Lebst du eigentlich auf dieser Welt?”. Es folgte die Erklärung, dass schon heute die Bands selber CDs produzieren und verkaufen. Wenn sie bekannt genug sind können sie sich auch gepresste CDs leisten.
Der Protest
Um 12:45 begann die Demonstration gegen die Berner Übereinkunft. Von Stallman angeführt zogen wir von der Uni Bern auf den Waisenhausplatz. Der Protest kritisierte aus mehreren Gründen die Berner Übereinkunft als inakzeptabel in der Internet-Ära:
- Das Urheberrecht hält viel zu lang.
- Werke sollten nur urheberrechtlich geschützt sein, falls sie eine Copyright-Notiz enthalten.
- Der “Drei-Schritte-Test” für Ausnahmen zum Urheberrecht stellt den Urheber über die Öffentlichkeit und schränkt Freiheiten ein, die die Internet-benutzende Öffentlichkeit haben muss.
Mit drei Transparenten und fünf Piratenparteifahnen bewaffnet zogen wir also durch Bern. Auf dem Weg und dem Waisenhausplatz verteilten wir Flyer. Zum Abschluss gingen wir dann auf den Bundesplatz und schossen vor dem Bundeshaus ein Gruppenfoto.
Hier ein paar Eindrücke:
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