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Mein Besuch der SUISA

12.11.2009 | 3 Kommentare

Heute war ich bei der SUISA zu einem Gespräch eingeladen. Dabei hatte ich die Gelegenheit, mit Martin Wüthrich (Head of Communication) und Alfred Meyer (Generaldirektor) über das Urheberrecht zu diskutieren. Natürlich stellte ich auch einige Fragen.
Als Geschenk habe ich ein Exemplar des Buches “Freie Kultur” von Lawrence Lessig überreicht (eine Spende von rettichschnidi). Alfred Meyer hat mir versprochen, es zu lesen :)

Die Fragen

Ich gebe die Antworten sinngemäss so wieder, wie sie mir gesagt wurden.

Wie viele Verwaltungsgebühren hat die SUISA?

10-17 Prozent des Umsatzes sind Verwaltungsgebühren, 2/3 davon Personalkosten.

Ist in der Schweiz die Kulturflatrate möglich?

Die SUISA hat dazu keine offizielle Meinung, es laufen aber Diskussionen. Generell wäre aus Sicht von Herrn Meyer die Verteilung auf die Künstler kein grosses Problem. Die eigentliche Schwierigkeit ist die Aufteilung zwischen der Musik-, Film-, Literatur-, … industrie.

Warum ist die SUISA gegen Creative Commons?

Die SUISA erlaubt aus Aufwandgründen keine Anmeldung von Urhebern mit Werken, die unter einer CC-Lizenz freigegeben wurden. Die Gründe:

  • Der Aufwand, die Einhaltung der Lizenzbedingungen zu prüfen, sei extrem hoch.
  • Es kam immer wieder vor, dass einige Urheber, ohne der SUISA was zu sagen, ein Album einem Veranstalter zur freien Verwendung gegeben haben. So hat die SUISA dann eine Rechnung gesendet, eine Mahnung nachgereicht und irgendwann kam dann der Veranstalter und teilte mit, dass der Urheber die kostenlose Nutzung erlaubt hat. Um diesen unnötigen Aufwand zu vermeiden wurde das dann verboten.
  • Im Moment wird aber eruiert, ob Creative Commons von dieser Regelung ausgenommen wird. Es besteht also die Chance, dass SUISA-Mitglieder in Zukunft einzelne Werke frei zur Verfügung stellen dürfen. Jedoch würde die SUISA die Einhaltung der Lizenz nicht überprüfen.

Die CD stirbt. Ist die SUISA darauf vorbereitet? Forscht sie aktiv?

Herr Wüthrich ist überzeugt, dass sie vorbereitet ist. Die SUISA hat bereits erkannt, dass es keinen Sinn macht, die Augen vor dem Filesharing zu verschliessen. Sie kämpft aber damit, dass das viele nicht so sehen.

Warum muss ein Konzertveranstalter einer Band, die keinerlei Aufnahmen hat, SUISA-Gebühren bezahlen?

Die SUISA fordert Gebühren für die öffentliche Aufführung von Werken im Sinne des Urheberrechtsgesetzes ein. Das Gesetz sieht hierbei keine Bedingungen an die Werke vor. Es muss also keine CD und kein Verkauf existieren, damit ein Urheber Gebühren auf die Aufführung seiner Werke erheben darf.

Planen Sie Abgaben für Harddisks und USB Sticks?

Für Harddisks nicht, USB Sticks sind in Diskussion.

Warum muss man Abgaben für Handys bezahlen?

Die Gebühren werden ausschliesslich auf Handys erhoben, welche als MP3-Player verwendet werden können. Der Grund ist derselbe wie bei den restlichen Leermedien.

Bekommt man die Abgaben zurück, wenn man nur freies Material speichert?

Nein. Die Abgaben werden aufgrund von Verwendungsstatistiken erhoben. Bei Musikhandys wurde z.B. erkannt, dass deren Speicher im Durchschnitt zu 60% für Musik verwendet wird.
Da es sich um einen Durchschnitt handelt, werden die benachteiligt, welche von ihm stark nach unten abweichen. Bevorteiligt hingegen werden diejenigen, welche darüber sind. Das ist bei Pauschalabgaben immer so.

Auf welchen rechtlichen Grundlagen werden die Abgaben erhoben?

Artikel 20 des URG. Ein vom Bundesrat bestimmtes Gremium entscheidet über die Höhe der Abgaben – unter Berücksichtigung der Angaben von Verwertungsgesellschaften (wie die SUISA) und Konsumentenschutzorganisationen.

Mein Eindruck

Herr Wüthrich sowie Herr Meyer haben mich von Anfang bis Schluss als ernst zu nehmenden Gesprächspartner behandelt. Sie nahmen sich die Zeit offensichtlich gerne und beantworteten auch alle meine Fragen offen.

Das Ziel der SUISA ist nach eigener Aussage die Erhaltung der Kultur sowie ein möglichst freier Zugang dazu. Im Gegensatz zu uns legt sie aber das Schwergewicht auf die Entlöhnung der Urheber und Interpreten. Im Punkt, dass es nichts bringt, weiterhin etwas zu verbieten was alle tun, sind wir uns aber einig. Sie ist deswegen diskussionsbereit und wird sogar am Workshop zum Urheberrecht teilnehmen, wenn wir sie einladen.

Eine wichtige Einsicht ist, dass einige Dinge, welche wir als schlecht empfinden, vom Urheberrecht vorgeschrieben sind. Das URG ist ziemlich komplex und gilt trotz seines Alters von 130 Jahren als junges Gesetz. Um also wirklich etwas zu bewegen muss einiges daran geändert werden. Erschwerend dazu kommt, dass die Schweiz auch internationale Abkommen zum Urheberrecht hat.

Zusammengefasst kann ich sagen, dass die SUISA entgegen der Musikindustrie gesprächsbereit ist und eine generell vernünftige Sicht auf die Realität hat. Natürlich sind wir uns in vielen Punkten nicht einig. Eine Lösung mit der beide leben können ist nicht abwegig. Es liegt aber noch viel Arbeit vor uns.

Kommentare

3 Responses to “Mein Besuch der SUISA”

  1. Denis Simonet
    November 12th, 2009 @ 14:53

    Neuer Blogpost: Mein Besuch der SUISA http://www.denissimonet.ch/?p=28

  2. AJ
    January 14th, 2010 @ 21:03

    Nur eine Bemerkung: Inwiefern ist das Urheberrechtsgesetz (URG; Volltitel: “Bundesgesetz vom 9. Oktober 1992 über das Urheberrecht und verwandte Schutzrechte”, s. http://www.admin.ch/ch/d/sr/c231_1.html) 130 Jahre alt und wie sollte das noch jung sein (das liegt ja schon fast in der Zeit der Gründung des Bundesstaats). In diesem Sinne es mit bald 20 Jahren in einem mit gesellschaftlichem Wandel recht eng verbundenen Bereich doch “schon gut abgehangen”, oder?

    Bin aber etwas spät mit meinem Kommentar, gell.

  3. Denis Simonet
    January 14th, 2010 @ 21:34

    Mit jung ist die Qualität gemeint. Es ist nicht so ausgereift und nicht so gut erforscht wie viele andere Gesetze es sind.

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